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Vorglühen einmal anders

Michael Ebling wurde mit einem satten Ergebnis von 94,8 Prozent auf den Schild des OB-Kandidaten gehoben und ist – wie auch sein Chef Kurt Beck (siehe rechts) – vor Freude aus dem Häuschen und in Partystimmung. Zum „Vorglühen“ lädt der Sozialdemokrat für heute auf den Schillerplatz ein. Jugendliche verstehen darunter, sich vor der Feier oder dem Disco-Besuch schon so einen hinter die Binde zu kippen, dass sie dann für alkoholische Getränke nichts mehr ausgeben müssen.

Bei Michael Ebling gibt's Glühwein und Kinderpunsch. Ganz so schlimm wird es also voraussichtlich nicht werden. (RHZ11/DEZ.20540 Rhein-Zeitung, 17.12.2011, S. 2; Von feucht-fröhlichem Wahlkampf, silbernen Talern und Eheproblemen Gehört, gesehen und gesammelt von Dietmar Buschwa)
Von feucht-fröhlichem Wahlkampf, silbernen Talern und Eheproblemen Gehört, gesehen und gesammelt von Dietmar Buschwa

Vorglühen einmal anders

Michael Ebling wurde mit einem satten Ergebnis von 94,8 Prozent auf den Schild des OB-Kandidaten gehoben und ist – wie auch sein Chef Kurt Beck (siehe rechts) – vor Freude aus dem Häuschen und in Partystimmung. Zum „Vorglühen“ lädt der Sozialdemokrat für heute auf den Schillerplatz ein. Jugendliche verstehen darunter, sich vor der Feier oder dem Disco-Besuch schon so einen hinter die Binde zu kippen, dass sie dann für alkoholische Getränke nichts mehr ausgeben müssen.

Bei Michael Ebling gibt's Glühwein und Kinderpunsch. Ganz so schlimm wird es also voraussichtlich nicht werden.

Rheintaler mit dem Dom (RHZ11/DEZ.20540 Rhein-Zeitung, 17.12.2011, S. 2; Von feucht-fröhlichem Wahlkampf, silbernen Talern und Eheproblemen Gehört, gesehen und gesammelt von Dietmar Buschwa)
Er wird in dieser Nacht bis zum frühen Morgen eine brutale Prügelei aufnehmen, nach Glatzköpfen fahnden, etliche Personen kontrollieren, halb totgesoffene und orientierungslose Menschen auflesen, pinkelnde Halbstarke verwarnen, Taxifahrer der Nötigung bezichtigen und sogar feiernde Kollegen befragen, denen Gewalttaten unterstellt werden.

Die Koblenzer Polizei erprobt zurzeit ein neues Einsatzkonzept. Ein Spezialteam, bestehend aus 15 Polizisten und zwei Ordnungsamtsmitarbeitern, durchstreift in den Nächten von Donnerstag bis Samstag das Zentrum – zusätzlich zur normalen Truppe. Denn: Aufgrund der Anzahl der Straftaten in diesem Bereich gelten die Innenstadt und die Altstadt als gefährliche Orte. Mit der verstärkten Präsenz sollen im besten Fall potenzielle Straftäter von ihrem Tun abgehalten werden.

Der Dienst von Reifenrath läuft ruhig an. Wo sich sonst schon in den frühen Abendstunden große Gruppen Jugendlicher zum Vorglühen treffen, ist keine Menschenseele zu sehen. Die Rheintreppen, das Stadtbad und der Hauptbahnhof liegen verlassen in der Dunkelheit. Dort beginnt sonst die Arbeit der Sondereinsatzgruppe: vorfahren, Leute kontrollieren, Personalien aufnehmen. Reifenrath erklärt: „Wir signalisieren damit: Passt auf, was ihr nachher treibt. Wir haben euch registriert und finden euch!“ Das maßlose Saufen können die Polizisten trotzdem nicht unterbinden.

Der Kleinbus zeigt vor dem Agostea Präsenz. Ein junger Mann torkelt ins Freie und sackt auf den Rand eines Blumenkübels. Plötzlich kippt er rücklings ins Beet. Keine Reaktion. „Los, auf geht‘s!“, ruft Reifenrath. (RHZ11/DEZ.25102 Rhein-Zeitung, 21.12.2011, S. 28; Nachtleben: Einsatz an den Brennpunkten)


Nach einer Verbrauchskurve der Autozeitschrift „mot“ laufen beim 204 D bei gleichmäßigen 60 km/st weniger als 4 1/100 km durch, bei 90 km/st nur 5,5 Liter. Der Normverbrauch beträgt 6,8 Liter, und selbst in der Stadt ist es kaum möglich, über 9 1/100 km hinauszukommen.

In Aussehen und Ausstattung entspricht der Diesel genau seinem Benzin-Bruder. Neben dem geringeren Verbrauch sparen die 45 PS des Dieselmotors Versicherungsbeiträge gegenüber den 55 PS des normalen 204; die 1357 ccm kosten allerdings 28,80 Mark Steuern mehr als die 1130 des Benzinmotors. (Dazu müssen 5 Liter Öl alle 2500 km gewechselt werden.) 130 km/st Höchst- und Dauergeschwindigkeit reichen aus, mit 24,5 Sekunden auf Tempo 100 kann man gut mithalten. Der Diesel startet (bei richtigem Vorglühen) bei Kälte besonders sicher, es gibt keine Schwierigkeiten mit dem Abgas und ab 1976 mit dem Benzin, der Motor lebt nachgewiesenermaßen besonders lange – der 204 Diesel kommt also heute gerade richtig, oder nicht?

Der Dieselmotor kostet im Peugeot. 204 einen Aufpreis von nicht weniger als 1585 Mark – der Wagen kommt auf 10 525 Mark (einschließlich Vorfracht). Das ist eine Stange Geld für ein solches kompaktes Auto. Dieselkraftstoff kostet dazu bei uns heute mehr als Normalbenzin (im Ausland freilich noch immer oftmals viel weniger). Rechnet man mit 2,5 1/100 km geringeren Verbrauch, kalkuliert man weiter die Einsparung an Versicherungsprämie und (durch die geringere Leistung) an Reifenabnutzung ein, so muß man gut 50 000 km fahren, um den Mehrpreis für das Triebwerk hereinzuholen. (Z75/JAN.00417 Die Zeit, 31.01.1975, S. 23; Spar-Diesel)
Der Diesel verfügt dazu – zumindest im Sinne der Vorschriften – über außerordentlich saubere Auspuffgase.

Der niedrige Treibstoff-Konsum vermag auf Dauer den höheren Preis des Motors aufzuwiegen – vor allem in Ländern mit größerem Preisabstand zwischen Dieselkraftstoff und Benzin.

Sparsamkeit und saubere Abgase ergeben sich aus dem Diesel-Brennverfahren. Luft wird stets voll angesaugt, es gibt keine Drosselklappe wie in einem Vergaser. Die Luft wird in einem Verhältnis 20 bis 24:1 verdichtet (Benzinmotor maximal 9,5:1), wobei sie sich auf etwa 800 Grad erhitzt. Wird jetzt Dieselkraftstoff eingespritzt, so entzündet er sich selbst. Dieselmotoren benötigen deshalb keine Zündanlage, nur eine Glühkerze („Vorglühen“) beim Kaltstart. Der eingespritzte Dieseltreibstoff verbrennt auch, wenn zu viel Luft vorhanden ist. Der Luftüberschuß führt zu einer sehr guten und damit schadstoffarmen Verbrennung. Der Diesel erfüllt deshalb ohne alle Zusatzgeräte selbst die amerikanischen Abgasbestimmungen kommender Jahre – die bei den Konstrukteuren von Benzinmotoren erhebliches Kopfzerbrechen hervorgerufen haben.

Die mehr als doppelt so hohe Verdichtung beim Diesel ergibt einen höheren thermischen Wirkungsgrad, vor allem bei mittleren Drehzahlen und bei geringer Last: Im Stadtverkehr können Dieselmotoren Verbrauchszahlen erreichen, die nur halb so hoch liegen wie bei einem ähnlichen Fahrzeug mit Benzinmotor. Der Diesel braucht auch keinen „Choke“ und keine Startautomatik – ist er angesprungen, so läuft er sofort mit der normalen Kraftstoffmenge. (Z76/SEP.00319 Die Zeit, 17.09.1976, S. 51; Volksdiesel)


Der Renault 5 TL hat eine 1,1-Liter-Maschine mit 32 kW (44 PS), die mit Super gefüttert wird, der Golf Diesel holt aus 1460 Kubikzentimetern 37 kW (50 PS) heraus. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, daß der Diesel mit den einstigen Nachtruhe raubenden Nagelgeräten nicht mehr viel gemein hat, die Wolfsburger Entwicklung ist eine flotte und auch nicht allzu laute Maschine.

Die Fahrleistungen der beiden Konkurrenten sind – gemessen an den Bedürfnissen des automobilen Normalverbrauchers – etwa gleich. VW erzielt die genannten PS bei 5000 Umdrehungen, Renault bei 4000 Touren.

Zum Anspringen brauchen beide Wagen in Wintertagen Hilfe: Der Golf muß ein wenig vorglühen (was mit dem zeitraubenden Prozeß der Diesel-Vergangenheit nicht mehr vergleichbar ist), der Renault verweigert sich ohne Choke.

Ein Plus hat der Golf, der 12 606,56 Mark (ab Werk) kostet gegenüber dem Renault (10 760 Mark ab Werk): Er ist größer. Man hat mehr Platz im Innenraum, vor allem auf den im Renault schmal geratenen Hintersitzen. Dafür geht es auf den Sitzen des R 5 komfortabler zu als auf den strammeren Sesseln des Golf. Aber hier beginnen nicht nachmeßbare Geschmacksurteile, manche mögen’s hart.

Und härter ist der Deutsche insgesamt, männlicher eben. Er geht fast so stramm durch die Kurven, wie ich das von meinem eigenen Sportwägelchen gewohnt bin. (Z80/MAR.00177 Die Zeit, 14.03.1980, S. 71; La Car und der Golf)
Auch hier kann man übrigens mit Plastic Money bezahlen – akzeptiert werden American Express, Visa und Mastercard.

Zurück in die eigentlichen Grenadines. Der schwere Holztresen unter dem Palmenwedeldach auf der Hotelinsel Petit St. Vincent gehört zu den ersten Adressen in diesem Teil der Karibik. Dort waltet Alton B. Collis seines Amtes als Barkeeper, und der hat nun wirklich was auf dem Kasten. Für heiße Nachmittage, an denen die Sonne unbarmherzig auf den Schädel brennt, empfiehlt sich der köstliche und erfrischende „Fruit Punch“ ohne Alkohol (Grenadinesirup, Ananassaft, Orangensaft, ein Schuß Pina-Colada-Mix, eine Banane, alles mit viel Eis im Mixer püriert). Wer lieber schon etwas für den Abend vorglühen möchte, kann es aber auch mit der „Banana Cow“ versuchen (milder brauner Rum, Pina-Colada-Mix und zwei kleine Bananen mit viel Eis im Mixer püriert, dazu ein Schuß Angostura und frische, geraspelte Muskatnuß obendrauf), Collis’ Verfeinerung der „Black Banana“. Der absolute Killer aber, der über alle liebevoll zubereiteten und filmreif dekorierten Cocktails an dieser Bar weit herausragt, ist der „Russian Satellite“. Dieser Hammer ist so etwas wie Collis’ Geheimwaffe, deren Rezept er nur widerstrebend herausrückte.

Hier ist es: Weißer Rum, Crème de Cacao, Crime de Menthe weiß und etwas Milch in einen Cocktailshaker füllen und mit viel Eis shaken. Das ganze in ein großes Brandyglas füllen und einen kräftigen Schuß fünfundsiebzigprozentigen Rum vorsichtig auf der Oberfläche schwimmen lassen zusammen mit geriebener Muskatnuß. (Z84/MAR.00468 Die Zeit, 30.03.1984, S. 65; In Schlangenlinie durch die Karibik)
Den Brenner hinab blieb der Motor ausgeschaltet, hinauf ging es im vierten Gang mit einem Getriebe, das nicht auf optimale Beschleunigung, sondern auf größte Sparsamkeit ausgelegt war.

Auch das im nächsten Jahr erhältliche Serienmodell Audi 100 TDI übertrifft an Sparsamkeit alle bisherigen Autos der gehobenen Klasse. Doch dies ist nur eine Facette. Die zweite ist die Kraft, die das Aggregat entwickelt, und die dritte der Komfort des neuartigen Dieselaggregats, das die als lärmend und vibrierend gewohnten früheren Typen vergessen läßt. Schon beim Umdrehen des Startschlüssels wird dies deutlich: Diesen Motor schaltet man ein wie ein Elektrogerät. Er läuft sofort, und dies ohne Vorglühen bis zu einer Außentemperatur von minus zehn Grad Celsius.

Kein Nageln und Vibrieren im Leerlauf – der noch kalte Dieselmotor läuft leise und völlig ruhig. Und ein Druck auf das Gaspedal läßt vergessen, daß ein Diesel unter der Haube arbeitet. Der Wagen beschleunigt von 0 auf 100 Stundenkilometer trotz der 1320 Kilogramm Leergewicht unter 10 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 200. Nur ab und zu meldet sich der Diesel durch leises Brummen – im richtigen Gang jedoch verschwindet das Motorengeräusch völlig.

Der Dieselantrieb ist in letzter Zeit ins Gerede gekommen: Dieselruß verursache Lungenkrebs, verkündeten Schlagzeilen. Sie stützten sich auf die Feststellung, daß die MAK-Kommission, die Grenzwerte für am Arbeitsplatz zumutbare Luftverunreinigungen festlegt, das Dieselabgas als „im Tierversuch“ krebserregend eingestuft hat. (Z89/NOV.00402 Die Zeit, 24.11.1989, S. 94; Diesels alter Traum)


Drum ist vor allem eins überflüssig wie ein Kropf: der Rußfilter.

Nun können tausend Ingenieure nicht allesamt dichthalten. Natürlich arbeiten sämtliche Hersteller mit Hochdruck an Rußfiltersystemen, seit Peugeot und Citroën mit ihrem Filter so erfolgreich am Markt sind und mittlerweile sogar der ADAC das Ding fordert. Die meisten werden noch 2003 einen Rußfilter präsentieren. Selbst BMW-Ingenieure, die offiziell Pickel kriegen, wenn sie über das Thema reden sollen, haben einen Filter mit katalytischer Beschichtung in der Produktpipeline. Und soeben hat Bosch bekundet, in die Rußfilterproduktion einzusteigen.

Der Rußfilter ist zwar technisch beherrschbar, aber ein echtes Kommunikationsproblem. Tüchtiges Marketing hat es geschafft, dass der Autokäufer beim Wort "Diesel" nicht mehr an langwieriges Vorglühen denkt, an schwarze Wolken, Nageln und Gestank. Sondern an Kraft und Sport. Und plötzlich soll man über unsichtbare Krebsmacher und dicke, verstopfungsgefährdete Filter und Additive im Kraftstoff nachdenken? Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Das Kind kriegt einen neuen Namen. PEC wird er heißen, SRF oder R-KAT. Und schick wird er aussehen. Wetten?

Burkhard Straßmann (Z03/305.03747 Die Zeit (Online-Ausgabe), 28.05.2003; Unsexy [S. 31])


Dazu sicherheitshalber eine Flasche Aquavit. Die Kassiererin schaut kurz hoch. In ihren schwarzen Augen, hinter Brillengläsern, wie sie so riesig nur Inuit- oder Indianerfrauen tragen, blitzt kurz etwas auf.

Kann das leiser Spott sein?

Zurück im Hotel koche ich mir meinen Kaffee. Dann packe ich die übrigen Einkäufe in den Kühlschrank, das heißt, ich stelle sie in die Schneewehe neben dem Eingang. Könnte jetzt drinnen dänische Quizshows im Fernsehen anschauen und mit dem ersten Bier die Partylaune vorglühen.Ich sondiere lieber das Terrain. Gibt ja doch einiges zu gucken. So viel jedenfalls, wie es überhaupt zu gucken gibt auf Disko.

Immerhin wohne ich mitten im Zentrum von Qeqertarsuaq. Auf Grönländisch heißt die Insel genau wie der Ort. Das ist praktisch, denn so gibt es einen Namen weniger, den ich nicht aussprechen kann.

Wer Qeqertarsuaq sagt, lässt es zweimal tief unten im Hals klicken, erst dunkler, dann heller, es folgt ein hauchzart anlautendes »d«, schließlich fährt die Zunge gegen den Gaumen, und die letzten Silben werden herausgelispelt und -gezischelt. Irgendwo auf halbem Wege verschlucke ich mich grundsätzlich. Das ging den Dänen wohl auch so. (Z07/MAR.00541 Die Zeit (Online-Ausgabe), 15.03.2007; Hier tanzt der Bär)
Während Politiker ein Alkoholverbot für Jugendliche fordern, bieten Kneipen und Clubs Bier und Cocktails ohne Ende zum Festpreis. Was geschieht auf einer »Flatrate-Party«? Ein Tresenbesuch in Köln.

von Lara Fritzsche



Vorglühen kann man sich sparen. In der Warteschlange vorm Club noch schnell ein Bier trinken oder was Hochprozentiges runterkippen wäre unsinnig. Gleich, da drinnen, ist doch eh alles inklusive. Hat man einmal den Eintrittspreis gezahlt, darf man so viel trinken, wie man verträgt - oder eben nicht.

Es ist kurz nach zehn vor dem Club Teatro an den Kölner Ringen, der größten Partymeile der Stadt. Gegelt, gesittet und gewaltfrei stehen sie da und warten auf Einlass. Vor kaum einem Laden geht es so friedlich zu wie hier, es wird nicht mal gedrängelt. Man merkt dem beinahe ausschließlich deutschen Publikum an, dass es nüchtern ist und gut erzogen. (Z07/MAR.00971 Die Zeit (Online-Ausgabe), 29.03.2007, S. 73; Billiger Rausch)


Ein halbes Jahr später stehen sie wieder da und behaupten, das Zeug könne man nirgends tragen. Kreuzberg fällt eben nur in Kreuzberg nicht auf.

Hier berühren sich die Extreme täglich aufs Neue, und manchmal, ganz selten, vermischen sie sich. Hier kann es passieren, dass ein junger Muslim deutscher Herkunft, der sich aus religiösen Gründen länger nicht rasiert hat als Murat Kurnaz, unmittelbar nach dem Freitagsgebet einem blonden Partymädchen den Hof macht. Es ist ein wunderbares Bild: Er, weiße Pluderhosen, weißes Häkelkäppchen, trinkt am Lahmacun-Imbiss neben der Moschee in der Skalitzerstraße Tee. Sie ist auf dem Weg zu einer Party und hat sich zum Vorglühen schon mal ein Bier gekauft. »Trink nur«, sagt der junge Muslim, »ich halte dich deshalb nicht für eine Schlampe.«

INFORMATION

Essen und Trinken: Hartmanns: aufsehenerregendste Neueröffnung im Bezirk, die Kombination aus bodenständiger und experimenteller Küche trifft einen Nerv, Reservierung erforderlich. Fichtestraße 31, Tel. 030/61201003, www.hartmanns-restaurant.de (Z07/MAI.00684 Die Zeit (Online-Ausgabe), 24.05.2007, S. 93; Eine Bühne für jedermann)


ZEIT-Autor Tomas Niederberghaus stellt im Renault Koleos seine Toleranz auf die Probe

Piep. Piep. Piep.

Ich bin ein toleranter Mensch. Tolerant gegenüber Schwulen genauso wie gegenüber den Villenbewohnern von Hamburg-Harvestehude, die morgens um acht die Vorgartentore per Knopfdruck öffnen und mit riesigen schwarzen Geländewagen herausfahren, um die Kleinen zum Kindergarten zu bringen oder um auf ein Tässchen Tee zur besten Freundin zu fahren. Nichts dagegen. In gewisser Weise bin ich jedoch altmodisch. Ich fahre einen vierzig Jahre alten Mercedes, der nur zwei Knöpfe hat - einen fürs Licht und den anderen zum Vorglühen des Dieselmotors. Der Wagen braucht von null auf 100 circa 25 Minuten, an den Kasseler Bergen vielleicht noch fünf mehr.

Als toleranter Mensch muss man manchmal extreme Dinge tun, um das Leben der anderen wirklich zu kapieren. Also lieh ich mir unlängst den neuen Geländewagen Koleos von Renault. Ich stieg ein, ließ die Kupplung kommen - und der Koleos schoss wie eine Rakete nach vorn. Erschrocken stieg ich in die Eisen. Als ich erneut anfuhr, begann es zu piepen. Piep. Piep. Piep. (Z09/FEB.00011 Die Zeit (Online-Ausgabe), 05.02.2009; Piep. Piep. Piep.)


Erst wer eine Geschichte zu erzählen hat, eine Biografie, der bleibt im Gedächtnis hängen. Und so umfasst das Experiment auch eine Lektion in angewandter Amerikanistik: Wahlen sind Charaktertests, so lehrt es die politische Praxis in den USA.

In Kanada saßen vier veritable Ex-Premiers in der Jury

»Was wir nicht machen werden...«, hebt ein ZDF-Redakteur an, »...ist Kandidaten-Bashing«, vollendet ein zweiter den Satz. Da war er wieder, der Geist der fiesen Castingshow. Der Verzicht auf Gemeinheiten fällt den Kanzlermachern aber auch deshalb leichter, weil ihre Sendung nur einmal läuft, an einem Freitag, im Juni um 21 Uhr. Sie müssen also nicht mit Verbalsadismus Zuschauer für die nächste Folge vorglühen.Um den Funfaktor zu erhöhen, gehören der Jury stattdessen Quizshow-Gastgeber Günther Jauch und Comedian Anke Engelke an.

Erste Kritiker haben sich bereits zu Wort gemeldet. »So wie Daniel Küblböck kein Gesangsstar wurde, bezweifle ich, dass eine Castingshow gute Politiker hervorbringt«, erklärte gleich nach Bekanntwerden des Sendekonzepts der Medienexperte der CDU-Bundestagsfraktion, Reinhard Grindel, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Und in der Union soll tatsächlich die Frage aufgetaucht sein, ob denn nicht allein der Titel Ich kann Kanzler zulasten der Partei gehe, deren Vorsitzende Kanzlerin sei.

Wie also soll die Balance zwischen Küblböck und Kanzlerschaft gehalten werden? Der zuständige Chef vom Dienst fasst zusammen: »Hier wird nicht gesungen, aber es ist ein Wettkampf.« (Z09/APR.00353 Die Zeit (Online-Ausgabe), 23.04.2009; Die Kanzlerkandidaten)
Thomas Goerge

Nesabre Nasara

Ouagadougou. Anfang September. Regenzeit. 35 Grad Celsius. Wir, der Architekt Francis Kéré, sein Bruder Ida und ich, sind auf der Suche nach Grundstücken für das Operndorf in Afrika. »Du fährst heute, damit du das Fahren in Afrika lernst«, sagen beide. »Du musst richtig vorglühen, der Wagen hat 450.000 Kilometer drauf und hat uns noch nie im Stich gelassen.« Ich starte den Motor des flaschengrünen Toyota-Jeeps. Es geht nach Gando, ins Heimatdorf von Ida und Francis im Südosten Burkina Fasos. Es herrscht totales Chaos wegen der schrecklichen Überschwemmung, die am 1. September die halbe Stadt weggespült hat. Die informellen Siedlungen hat es am schlimmsten getroffen. Einfache Lehmhütten sind zu einer amorphen Masse mit Wellblech und Plastikteilen verschmolzen. Menschen versuchen ihre Habe zu bergen. Sie warten nicht auf Hilfe. Nachrichten im Autoradio: Die Behörden gehen von 350.000 Obdachlosen aus, 70 Tote geborgen, Cholera. Die Savanne beginnt. Esel, Ziegen, Zeburinder kreuzen die Straße. (Z09/DEZ.00364 Die Zeit (Online-Ausgabe), 31.12.2009; "Nesabre Nasara")
Das gilt nicht nur für die Outfits der Wiesnbesucher, wie die Gemälde beweisen, sondern auch für die Bierkrüge: Bestanden diese ehemals aus Steingut, wurden sie zu Beginn der sechziger Jahre aufgrund betrügerischen Einschenkens durch Glaskrüge ersetzt.

Die Ausstellung erzählt die Oktoberfest-Geschichte chronologisch und stimmungsvoll anhand vieler Exponate aus dem Museumsdepot: Bilder von Pferderennen, die einst während des Volksfests ausgetragen wurden, das älteste Bierfass, Schiffschaukeldekorationen, alte Geisterbahnfiguren und Fassadenteile diverser Schaustellergeschäfte. Zu den bizarrsten Ausstellungsstücken gehören die Knochen eines Wiesnhendls, um 1900! Auch die Designgeschichte des Bierzeltmobiliars (vom Holztisch mit Stühlen über die Klappbank mit Resopalbeschichtung zur heutigen Garnitur) ist so noch nie gezeigt worden. Der jüngsten Zeit widmet sich die Ausstellung, indem sie Utensilien zum »Vorglühen« (Alkopops) und Magnum-Champagnerflaschen aus der Käferschenke präsentiert und das Dirndl zeigt, welches Paris Hilton 2007 auf der Wiesn trug.

Was fehlt, sind Einordnungen. Mit dem bloßen Zeigen von Promi-Dirndln ist die Frage kaum beantwortet, warum sich das Image des Oktoberfests gewandelt hat: Einst Ort der Begegnung biertrinkender Kleinbürger, ist es heute eine Kultveranstaltung, bei der die Jugend historische Erfahrungen von »Fanmeile« und »Partyzone« fortsetzt. So bietet die Ausstellung nicht mehr als eine Einstimmung auf ein Thema, das gesellschaftlich und kulturhistorisch besser im Bierzelt aufgearbeitet werden kann.

Bis 31.10. Di 10-21 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr, Eintritt 6 Euro, Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München, Tel. 089/23322370, www.stadtmuseum-online.de (Z10/AUG.02900 Die Zeit (Online-Ausgabe), 05.08.2010; Von Dirndln und Hühnerknochen)


Jens Jessen

In Hamburg gilt nun also auch, wie schon in München, Nürnberg oder einigen anderen Städten, ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln

. Vor allem die Zahl der Jugendlichen, heißt es, habe bedrohlich zugenommen, die sich schon auf der Fahrt zu Klubs und Partys in die geeignete Stimmung bringen zu müssen glauben. "Vorglühen" lautet der erstaunliche Begriff für diese Praxis. Offenbar ist etwas, das bei modernen Dieselmotoren nicht mehr nottut, bei Jugendlichen für das Erreichen einer partytauglichen Betriebstemperatur nötig geworden.

Indes steigt sie auch gerne weit darüber hinaus, und dabei entstehen Probleme akustischer und medizinischer, manchmal auch explosiver Art, vor denen sich die Kommunen zu fürchten begonnen haben. Manchmal verlagern sich die Saufexzesse sogar komplett in den öffentlichen Raum; München hat deswegen schon mit dem Gedanken gespielt, auch für öffentliche Plätze ein Alkoholverbot zu erlassen. Solche Eingriffe in den privaten Lebensstil der Bürger haben immer etwas Unerfreuliches, aber man wird kaum sagen können, dass mit ihnen ein entscheidender Nerv individueller Selbstbestimmung getroffen wird. (Z11/SEP.00170 Die Zeit (Online-Ausgabe), 08.09.2011; Wer Verbote erlaubtBOT+r:Gesellschaft)


Wer eingeladen wird, hat zehn Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Eine Massenabfertigung sei das. Aber Laura Sauer hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. »Irgendwann hat die Suche mal ein Ende«, da ist sie sich sicher.

So wie bei Nicolai Böker aus Hannover. Im Eilenriedestift leben neben ihm derzeit noch 14 weitere Studenten. Die Senioren würden überwiegend positiv auf die jungen Leute reagieren. Manchmal leistet einer der Studenten den alten Leuten einige Minuten Gesellschaft oder bringt mal etwas aus dem Supermarkt mit. Nicolai Böker sagt, es lebe sich sehr komfortabel im Stift. Einige Freunde seien schon zum »Vorglühen« dagewesen, und über seine Musik habe sich auch noch niemand beschwert. Die könne er auch etwas lauter hören. Wenn der Jurastudent aufdreht, läuft meistens House oder Minimal-Electro im Seniorenheim.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio (Z11/OKT.00344 Die Zeit (Online-Ausgabe), 27.10.2011; Video-Casting fürs WG-Zimmer)
So erfuhr ich erst später, dass es sich um einen »Kompakt-SUV« handelte und, laut Chefdesigner, um eine »fließende Skulptur«. Ich gelangte zu einer Ampel, hielt an - und der Motor war aus.

Sofort fiel mir mein erster Ferienjob wieder ein. Es war kurz nach dem Abi, kurz nach der Führerscheinprüfung. Der Job bestand darin, fabrikneue Autos von Güterwaggons herunterzufahren. Von morgens bis abends setzte ich mich alle fünf Minuten in ein neues Fahrzeug und hoffte das Beste. Vor allem, dass der Wagen anspringen möge.

Das war damals, Mitte der achtziger Jahre, keineswegs selbstverständlich, vor allem in der Morgenkälte. In jener grauen Vorzeit, liebe Nachgeborene, gaben sich Autos noch recht kapriziös, jedes auf eigene Art. Dieselmotoren mussten eine Weile vorglühen, man blickte derweil versonnen auf eine gelbe Spirale auf dem Armaturenbrett. Andere Autos wollten mittels fein dosierter Verschiebung eines Ziehhebels zum Anspringen ermuntert werden. Der Hebel trug den unglückseligen Namen »Choke«, was auf Deutsch unter anderem »erwürgen« bedeutet, im US-Sportler-Slang aber auch »kläglich versagen«. Die ideale Ziehdistanz variierte je nach Temperatur, war also ein Erfahrungswert, den nur meine altgedienten Fahrerkollegen kannten, die schon fluchend in den Autos hinter mir saßen, während ich, chokend, den Betrieb aufhielt. Kurz: Es war zum Verzweifeln.

Nun stand ich also an der Ampel in diesem fremden, stillen Wagen, antriebslos. Dass zeitgemäße Fahrzeuge so Energie sparen, war mir schon klar, nur als Fahrer hatte ich es noch nicht erlebt. (Z11/DEZ.00007 Die Zeit (Online-Ausgabe), 01.12.2011; On/Off-Beziehung)


Dass zeitgemäße Fahrzeuge so Energie sparen, war mir schon klar, nur als Fahrer hatte ich es noch nicht erlebt. Die Ampel wurde grün, intuitiv trat ich die Kupplung, sofort summte der Motor wieder, noch bevor jemand hinter mir fluchen oder hupen konnte.

Es war das erste und letzte Mal, dass mich die Start-Stopp-Automatik verwirrt hatte. Danach nahm ich sie - und mit ihr diese ganze fließende ix35-Skulptur - nur noch als sehr wohltuend wahr: wegen der Stille im Stau, wegen des schönen Gefühls, wenigstens ein paar Momente lang nicht zur Luftverpestung beizutragen. Und wegen der Gewissheit, dass der Dieselmotor dieses Autos, ganz ohne Choke oder Vorglühen, jederzeit verlässlich für mich da sein würde.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor (Z11/DEZ.00007 Die Zeit (Online-Ausgabe), 01.12.2011; On/Off-Beziehung)


und das Migros Museum für Gegenwartskunst

einziehen.

Samstagabend, an der Hardbrücke ist kein Durchkommen. Aus dem Bahnhof strömen die, die zum Inventar von Zürich-West gehören: die Jugendlichen aus der Vorstadt, die »im Ausgang« sind, wie man in Zürich sagt. Vorglühen am Geldautomaten der Kantonalbank, Handygeklingel, fröhlicher Lärm. Dann ins Multiplexkino oder in einen der Clubs. Es wird eine lange Nacht werden. Viele werden fürchterlich abstürzen. Deswegen kommen sie her. Auch die Jugendlichen aus der Vorstadt können in Zürich-West woanders sein.

Wir wären nicht in der Schweiz, hätte sich deswegen nicht jemand ein Verbot ausgedacht. Um abends die Bar des Prime Tower

zu besuchen, muss man 25 sein. Erlaubt ist, was nicht stört. (Z12/FEB.00223 Die Zeit (Online-Ausgabe), 16.02.2012; Grau ist das neue Bunt)
Wer an führender Stelle für die Stiftung tätig war, darf hier sein Familiensignet anbringen. Manche Wappen werden erst für diesen Zweck entworfen. »Man redet immer über die Schaffermahlzeit«, sagt der Schifffahrtsunternehmer Ralph Geuther. »Das ist in Bremen das große Ereignis.«

Diese stolze Institution geriet 2011 leicht ins Wanken. Wie jedes Jahr trafen sich Kaufmänner und ihre Gäste im Schütting, dem prächtigen Renaissancebau der Handelskammer, zum Empfang vor der Schaffermahlzeit - um anschließend auf der gegenüberliegenden Seite des historischen Marktplatzes im Rathaus das Sechs-Gänge-Menü einzunehmen (Kükenragout und Stockfisch, Bordeaux und dazu ein Dutzend Reden, alles minutengenau getaktet). Es verstand sich bis dahin von selbst, dass Unternehmerinnen auch dem Vorglühen im Schütting fernblieben. »Wir dachten, was sollen wir da«, erinnert sich die Vizepräsidentin der Handelskammer, Janina Marahrens-Hashagen, »wenn anschließend die Herren schön rüber ins Rathaus gehen.« Aber im Februar 2011 wollten fünf Frauen aus dem Handelskammerplenum nicht mehr zurückstehen und waren einfach da. Die Herren gingen dann trotzdem allein essen, die Frauen wieder an die Arbeit.

Weil es immer Kaufleute sind, die als Schaffer für den Festschmaus zahlen, genießen sie Privilegien: Sie dürfen lebenslang dabei sein und einen Freund mitbringen. Die Kapitäne dagegen zahlen wenig und dürfen deshalb nicht jedes Mal teilnehmen. Wer das Kapitänspatent besitzt, kommt auf eine Liste - und wenn er dran ist, darf er mitessen. (Z13/JAN.00136 Die Zeit (Online-Ausgabe), 10.01.2013; Unter Männern)
Trotzdem profitiert der neue Zug nun wieder vom früheren Ruf der Eisenbahn als Fortschrittsbringer, und der Populist Correa macht sich dessen Popularität zunutze.

In Yaguachi, bei leichter Mittagsschwüle und romantischer Bachata-Musik, wird Dampf gegen Diesel getauscht. Hunderte schauen bei den Rangierarbeiten zu, denn parallel findet ein Dorffest statt. An einigen Ständen wird frisches Zuckerrohr durch eine Handpresse geschoben, um daraus guarapo, den Saft, zu gewinnen, anderswo gibt es - frisch gebrannt statt frisch gepresst - auch den entsprechenden Schnaps. Ein Luftballonverkäufer schart Kinder um sich, ein zahnloser Marionettenspieler versucht ihm einen Teil seines Publikums abzujagen. Kleine Trauben aufgetakelter Männer werfen leicht beschwerte Blicke in die Runde, während sie still nach- beziehungsweise vorglühen.Wir machen ein letztes Foto der Mogul, dann geht es weiter, zunächst durch menschenleeres Zuckerrohrgelände. Nur einmal stehen zwei Jungen mit Macheten an den Gleisen - und winken nicht.

Vier Tage Zeit nimmt sich der Zug für den Weg von Guayaquil nach Quito. Die Passagiere müssen schlafen und essen, was sie beides nicht an Bord tun, wenn man einmal absieht von den liebevoll arrangierten Snacks, die Barmann Alberto gelegentlich serviert. Außerdem werden wir immer mal wieder auf Exkursion geschickt, um die älteste Kirche des Landes, einen historischen Stadtkern, den Nebelwald oder einen der weltweit operierenden Rosenzuchtbetriebe kennenzulernen. Der Tren Crucero verspricht eine komprimierte ecuadorianische Tour d'Horizon, eine Art Blitzprogramm bei reduzierter Grundgeschwindigkeit. (Z13/OKT.00538 Die Zeit (Online-Ausgabe), 31.10.2013; Balkon auf Schienen)
Das Stadttheater war im Fokus der Öffentlichkeit. Regional und überregional. Künstlerisch wurde was bewegt; kontroverse und intellektuelle Herausforderungen sind mir lieber als künstlerische Hausmannskost oder Stillstand. Und diese Herausforderungen fehlen mir in L. zurzeit. Und so fahren wir Centraltheater-Freunde unserem alten Ensemble hinterher.

Auch wenn das schon kolportiert wurde - einen Fanbus haben wir nicht. Wir sehnen uns nach Avantgarde, nach Experimenten, nach dem Ausloten der Möglichkeiten in der Bühnenkunst. Sind schon in Berlin gewesen in den letzten Monaten, in Frankfurt, in Hannover, in München, und wenn der Meister, also Hartmann, inszeniert, sind wir auf jeden Fall dabei.

Und in Recklinghausen spürten wir im Vorfeld, beim Vorglühen, dass der Ruhrpottler dem Sachsen gar nicht so unähnlich ist. Kneipen wurden ausgetestet. Mit dem Festivaldirektor wurde ein Bier getrunken, und selbst als am Ende von Hartmanns Sean-O'Casey-Version der Saal doch recht leer war, war man sich (auch im Feuilleton) einig uneinig: Das war ein irres Ding! Man darf doch in unseren Zeiten nicht den Konsens suchen. Schwitzend stiegen wir vor der Vorstellung den Festivalhügel empor. "Hurra, Hurra, die Leipziger sind da!" Spaß hat's gemacht. Reißt doch wieder die Fenster auf in L.!

Clemens Meyer c+ © Gaby Gerster +c geboren 1977, ist Schriftsteller und ZEIT-Kolumnist. Er lebt im Osten Leipzigs. (Z14/JUN.00044 Die Zeit (Online-Ausgabe), 05.06.2014; Über die schönen Beine einer älteren Dame)


Ich glaube nicht, dass es spießig ist. Man kann es nur spießig machen - wenn man sich etwa kalt und im Dunkeln duscht, um Geld zu sparen. Spießig ist es, das Sparen zu übertreiben. Man sollte auch darauf achten, Zeit und Nerven zu sparen. Die Lebensqualität muss im Vordergrund stehen.

Wie geht das ganz konkret?

Wer seinen Studentenausweis schon für Rabatte ausgereizt hat und in den Clubs nicht das teure Bier trinkt, sondern zu Hause vorglüht, der muss sich an die Klassiker machen: selbst kochen, statt fertige Lebensmittel zu kaufen, konsequent Strom sparen, die Ausgaben kontrollieren.

Ein Haushaltsbuch zu führen ist aber sehr zeitaufwendig.

Sparen hat viel mit Organisation zu tun, das kostet Zeit. Aber schon wenn man sich eine Stunde die Woche hinsetzt und plant, was man in den nächsten Tagen braucht, kann man viel erreichen. So vermeidet man zumindest Spontankäufe. Ein Haushaltsbuch zu führen finde ich persönlich zwar sehr anstrengend, aber gerade wenn man akut den Überblick verloren hat, gibt es wohl keine bessere Lösung. Mit Bargeld zu bezahlen anstatt mit der EC-Karte macht einem klar, wie viel man ausgibt. (ZCA09/OKT.00003 Zeit Campus, 06.10.2009, S. 34; »Kalt duschen ist spießig«)
A: ...als Betreuer die Pfadfinder meiner Wölflingsgruppe zum Osterzeltlager- Event an der Lahn einzuladen.

C: ...mich abzumelden. Ich muss jetzt auf meine Online-Reputation achten.

B: ...meinen Status zu aktualisieren: Ab 21 Uhr vorglühen im Favorit, danach gehts weiter in die Rote Sonne.

Beim Fernsehen lache ich immer, wenn...

B: (ZCA11/FEB.00022 Zeit Campus, 22.02.2011, S. 22; Wie alt bin ich wirklich?)
21:00

Wenn mir sowieso schlecht ist, kann ich auch was trinken.

Also doch Vorglühen bei mir, erst Bier, dann holen wir den Tequila raus. Ich muss würgen.

1:00


Im Club: Erstmal ein paar Bier. Dann Abspacken. Das süße Mädel neben mir labert die ganze Zeit mit einem schmierigen Typen. Dann ist sie plötzlich weg. Verdammt. Frauen, schlechtes Thema. (ZCA11/AUG.00042 Zeit Campus, 16.08.2011, S. 68; TANZ AUF DEM VULKAN)
Im Abi-Buch stand "Bonze" als Beschreibung neben meinem Foto. Dabei war eigentlich ich diejenige, die die anderen um Materielles beneidete. Nicht nur, dass ich auf die Figur meiner Freundinnen neidisch war. Sie hatten auch die tolleren Klamotten und teureren Marken. Oh Mann, ich merke gerade, dass ich auf fast alles neidisch war. Schlimm war auch der Neid auf die toleranten Ausgehzeiten meiner Freundinnen. Ich musste noch mit 16 um 22 Uhr zu Hause sein. Mit 16! Das hieß für mich: Immer nur vorglühen. Wenn die Party für meine Freunde erst richtig losging, musste ich nach Hause. Ich weiß noch, wie ich einmal so richtig schadenfroh war: Wir waren alle beim Osterfeuer. Meine Freundin, die eigentlich immer lange rausdurfte, hatte ihren Eltern nicht Bescheid gesagt, wohin wir gehen wollten. Als die Eltern das rausfanden, haben sie sie direkt vom Osterfeuer abgeholt. Um 19 Uhr. Alle haben es gesehen. Da war ich schadenfroh. Endlich wurden ihr auch mal Grenzen gesetzt - das ist mir heute peinlich. (ZCA14/JUN.00042 Zeit Campus, 10.06.2014, S. 60; NEIDISCH?)
* 1988 – Godflesh: Godflesh EP

* 1988 – Missing Foundation: 1933 – Your House Is Mine

Alles andere war Vorglühen.Im Übrigen halte ich es für zweitrangig, wann KMFDM gegründet wurden. Das Debüt-Album erschien 1987. Und das ist die zweite Hälfte der 1980er. --89.244.77.140 21:10, 21. Mai 2011 (CEST) (WDD11/I29.56869: Diskussion:Industrial Rock, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Industrial_Rock: Wikipedia, 2011)
Verschleiß durch Kaltstart

Man kann die Stoßionisation einer LSR auch rein über die Feldstärke anstoßen. Dann kann auf das Vorheizen der Kathoden

komplett verzichtet werden. Damit entfällt der Verschleiß der Kathoden durch das Vorglühen.Meiner (statistisch eher nicht signifikanten) Beobachtung nach scheint jedoch gerade der Bruch der Kathodenwendel Ausfallursache Nummer eins zu sein

(die Situation habe ich gerade wieder bei einer Energiesparlampe).

Da im Artikel nun steht, dass Kaltstart die Kathoden stärker verschleißen soll, erhebt sich für mich folgende Frage: (WDD11/L41.82746: Diskussion:Leuchtstofflampe/Archiv, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Leuchtstofflampe/Archiv: Wikipedia, 2011)
Diesel-Anlasser

In der Hoffnung, dass hier ein paar Experten reinschauen: Haben W123 Diesel eigentlich noch den Anlasser zum Herausziehen und die Glühkerze im Armaturenbrett, wie beim Strich 8? Oder wird der schnöde mit dem Schlüssel gestartet? Frank --217.5.231.249 09:29, 12. Jan 2005 (CET)

Moin! Ich hatte einen der ersten 123 von '77. Dieser war mit einer Vorrichtung zum Herausziehen ausgestattet. Erste "Raste" war vorglühen, in der zweiten dann anlassen. Bei späteren Modellen (erkennbar an den eckigen Scheinwerfern) war es dann links ein "Knopf" zum Drehen. Ciao Christine--193.96.198.130 5. Jul 2005 09:20 (CEST)

Moin, Moin, die Eckigen Scheinwerfer kamen erst wesentlich später als das Anlassen über den "Zünd"-Schlüssel - Moin,Moin aus MecPom, Webster

... und der Drehknopf ist für die Leerlaufanhebung während der Kaltlaufphase. --Barcetta 22:55, 25. Feb. 2008 (CET) (WDD11/M04.13205: Diskussion:Mercedes-Benz Baureihe 123, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Mercedes-Benz_Baureihe_123: Wikipedia, 2011)
Unter Sauerstofflanze steht nichts davon: Die Wärme wird durch die Vebrennung des Rohrmaterials erzeugt, die meisten Gesteine sind ja vollständig oxidiert. Wenn dabei atomarer Sauerstoff entsteht, was in Spuren sicherlich der Fall ist, wird die Rekombinationsenergie (oder die Erhöhung Oxidationsenergie) durch die aufzuwendende Dissoziationsenergie aufgewogen, also ein Nullsummenspiel.

Zum Vor-/Dauerglühen kann ich nichts sagen. Der Artikel spricht allerdings vom Durchbohren, und es scheint mir recht schwierig, ein Rohr in einem Betonblock noch von außen zu heizen - oder wird der O vorgeheizt? Zoelomat 14:24, 9. Jun. 2007 (CEST)

Inzwischen habe ich Sauerstofflanze gelesen (hat mich nicht recht überzeugt). Es scheint wohl verschiedene Methoden zu geben: Wenn man "das Rohr abbrennen" lässt, genügt ja wohl ein Vorglühen, um das zu starten. Bei der militärischen Anwendung (Bunker knacken) gab es eine Version, bei der das Rohr im mittleren Bereich - also der Sauerstoff - aufgeheizt wurde; dieses Beispiel hatte ich vor Augen. Zum Thema Nullsummenspiel: Energetisch ja, aber diese Energie wird massiert am Ziel frei.

Das werden wir wohl so schnell nicht besser klären - also bleibt es erst mal so.--Dr.cueppers - Disk. 16:04, 9. Jun. 2007 (CEST)

Lesenswert-Kandidatur 29. Juni bis 6. Juli (WDD11/S18.78756: Diskussion:Sauerstoff/Archiv, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Sauerstoff/Archiv: Wikipedia, 2011)
Sit-in <-> Treffen im kleinen Kreise

Hallo,


der Begriff Sit-In wird auch für spontane Treffen wie beispielsweise Vorglühen o.ä. bei Bekannten verwendet.

Geht aber natürlich auch ohne Trinken. Also man trifft sich einfach bei einem/r Bekannten mit 3 bis X Leuten und quatscht…

Sollte man das nicht als alternative Bedeutung aufnehmen? (WDD11/S21.23414: Diskussion:Sit-in, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Sit-in: Wikipedia, 2011)
Und die Andere Bedeutung?

Was ist mit der Praxis unter Jugendlichen, vor einer Party eigens mitbegrachten Alkohol zu konsumieren, da dies erheblich billiger ist, als für Getränke auf der Party bezahlen zu müssen. Sollte das nicht auch noch erwähnt werden ;) --84.60.196.113 17:32, 16. Jun. 2007 (CEST)

Da ist was dran... ;-) Wenn man mal "vorglühen" bei Google eingibt, bekommt man mehr Ergebnisse zu dieser Art des Vorglühens, als zum vorglühen von Dieselmotoren. HoloDoc MHN 17:47, 16. Jun. 2007 (CEST)

Vorglühen war ursprünglich kein Redirect, sondern hat beide Bedeutungen erklärt. Wurde aber irgendwann von FritzG kaputtvandaliert. In seinem obsessiven Löschwahn hat er sogar den Artikel "Vorglühen (Alkoholkonsum)" gelöscht. Also lass es lieber bleiben da Rumzurevertieren. Mit diesen Admin-Diktatoren sollte man sich am besten garnicht anlegen. Schone deine Nerven, und lass Wikipedia unvollständig sein. --87.177.219.157 22:54, 24. Nov. 2007 (CET)

bin ja auch für den artikel "Vorglühen (Alkoholkonsum)"--Shisma 21:39, 26. Sep. 2009 (CEST) (WDD11/V15.92570: Diskussion:Vorglühanlage, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Vorglühanlage: Wikipedia, 2011)
Und die Andere Bedeutung?

Was ist mit der Praxis unter Jugendlichen, vor einer Party eigens mitbegrachten Alkohol zu konsumieren, da dies erheblich billiger ist, als für Getränke auf der Party bezahlen zu müssen. Sollte das nicht auch noch erwähnt werden ;) --84.60.196.113 17:32, 16. Jun. 2007 (CEST)

Da ist was dran... ;-) Wenn man mal "vorglühen" bei Google eingibt, bekommt man mehr Ergebnisse zu dieser Art des Vorglühens, als zum vorglühen von Dieselmotoren. HoloDoc MHN 17:47, 16. Jun. 2007 (CEST)

Vorglühen war ursprünglich kein Redirect, sondern hat beide Bedeutungen erklärt. Wurde aber irgendwann von FritzG kaputtvandaliert. In seinem obsessiven Löschwahn hat er sogar den Artikel "Vorglühen (Alkoholkonsum)" gelöscht. Also lass es lieber bleiben da Rumzurevertieren. Mit diesen Admin-Diktatoren sollte man sich am besten garnicht anlegen. Schone deine Nerven, und lass Wikipedia unvollständig sein. --87.177.219.157 22:54, 24. Nov. 2007 (CET)

bin ja auch für den artikel "Vorglühen (Alkoholkonsum)"--Shisma 21:39, 26. Sep. 2009 (CEST) (WDD11/V15.92570: Diskussion:Vorglühanlage, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Vorglühanlage: Wikipedia, 2011)
Was ist mit der Praxis unter Jugendlichen, vor einer Party eigens mitbegrachten Alkohol zu konsumieren, da dies erheblich billiger ist, als für Getränke auf der Party bezahlen zu müssen. Sollte das nicht auch noch erwähnt werden ;) --84.60.196.113 17:32, 16. Jun. 2007 (CEST)

Da ist was dran... ;-) Wenn man mal "vorglühen" bei Google eingibt, bekommt man mehr Ergebnisse zu dieser Art des Vorglühens, als zum vorglühen von Dieselmotoren. HoloDoc MHN 17:47, 16. Jun. 2007 (CEST)



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