Ädagogische fakultät der masarykuniversität brünn lehrstuhl für deutsche sprache und literatur diplomarbeit Literarische Sprachexperimente



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2.5.2. Akustische Poesie

Akustische Texte benutzten den Lautmaterial der Sprache und arbeiten vor allem mit einzelnen Buchstaben. Während die visuelle Poesie der Graphik und Malerei ähnelt, nähert sich die akustische Poesie zur Musik und versucht, Elemente der Konkreten Poesie mit elektronisch-musikalischen Klängen zu knüpfen. Die Autoren der akustischen Poesie verzichten auf das Wort und den Satz als Bedeutungsträger. Die klanglichen Elemente prägen sich im Poem durch den Rheim, die Lautfolge der Wörter, das Versmaβ und den Rhytmus aus.


1. Laut- und Buchstabengedichte

Die Lautgedichte, die schon die Dadaisten benutzten, nützen lautmalende Effekte der Sprache aus. (vgl. Ebd. 86) Ernst Jandl war wahrscheinlichh der bedeutendste Vertreter von Lautgedichten. Die Gedichte, die Jandl produzierte, nannte er selbst „Sprechgedichte“. Sprechgedichte waren eine Mischung aus Wort- und Lautgedicht.

Bei den Buchstabengedichten ist sehr wichtig der optische Ausdruck. Das Ausgangsmaterial für diese Gedichte sind auch Wörter, die jedoch nicht zu Lauten, sondern zur graphischen Gestaltung dekonstruiert werden. Beispiel vom ersten absurden Lautgedicht, das von Hugo Ball im Cabaret Voltaire im Jahre 1916 rezitiert wurde :
Gadji beri bimba

Gadji beri bimba

gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori
gadjama gramma berida bimbala glandri galassassa laulitalomini
gadji beri bin blassa glassala laula lonni cadorsu sassala bim
gadjama tuffm i zimzalla binban gligla wowolimai bin beri ban
o katalominai rhinozerossola hopsamen laulitalomini hoooo
gadjama rhinozerossola hopsamen
bluku terullala blaulala loooo

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gadji_beri_bimba)



2. Dialektgedichte

Dialektgedichte gehören zu den Wiederentdeckungen der Konkreten Poesie. In vielen Fällen handelt es sich nicht nur um Sprechgedichte, sondern wesentlich um visuelle Dichtung. Mit den Dialektgedichten beschäftigten sich meistens die Mitglieder der Wiener Gruppe (Hans Carl Artmann, Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer u. a.), die den Dialekt für die moderne Dichtung enthüllten. Die Autoren bemühten sich nicht um die Wiederbelebung der Mundart, sondern sie probierten sprachexperimentelle und linguistische Möglichkeiten des Dialekts.

Mit dem Dialekt wollten die Autoren die Gesellschaft provozieren. Diese neue Dialektdichtung differierte sich von der Mundart- und Heimatdichtung durch die Abweisung von Idylle und wurde durch spezifische Art von Humor gekennzeichnet.
Jetzt präsentiere ich Beispiele von Dialektgedichten:

Ernst Jandl:

loch28

loch


loch doch

so loch doch

so loch doch schon

so loch doch

doch doch

loch


üch loch müch kronk

Gerhard Rühm:

amoe ka zweits moe

zwamoe ka drits moe

dreimoe ka viats moe

viamoe ka fümpfts moe

fümfmoe sexmoe sibm ocht neinmoe

zehnmoe öfmoe des is schee

Friedrich Achleitner:

1.

koa aonung



von

duddn und blosn

owa

a nosn


middn im gsichd
2.

bix


bum

fix


nix29
(Quelle von allen diesen Dialektgedichten: Willberg, 1992, 96-97)
2.5.3. Audiovisuelles Gedicht

In diesem Fall geht es um die Vermittlung vom Ton und Bild. Dieses Gedichtgenre strebt an, die visuelle Konstellation mit dem akustischen Effekt zu verbinden.

Beispiel:

Friedrich Achleitner: ruh

ruh

und


ruh

und


ruh

und


ruh

und ruh und ruh und ruh und

ruh

und


ruh

und


ruh

und


ruh
(Quelle: Willberg, 1992, 98)
Der audiovisuelle Text ruh stellt eine sprachlich-visuelle Präsentation von Unruhe dar. In dem «ruh und« steckt der Gegensatz zwischen der Bedeutung des Wortes ruh und der rhytmischen Bewegung, die horizontal nach rechts ausbricht. (vgl. Willberg, 1992, 100)
2.5.4. Serielle Lyrik

Der führende Autor dieser Art von Poesie war Max Bense, der als Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Hoschule in Stuttgart wirkte. Bense führte in Stuttgart eine Gruppe, die sich mit den Möglichkeiten des Computers beschäftigte und die mit der Hilfe von ausgewähltem Lexikon und vorgegebenen allgemeinen Strukturregeln Gedichte produzierte. (vgl. Ebd. 87) Die Gruppe hatte groβes Interesse an der Verbindung von der künstlerischen Produktion mit neuen Medien und Aufschreibsystemen.

Bei der seriellen Lyrik benutzen die Sprachexperimentatoren mathematische Permutations- und Variationsgesetzen und sie suchen Inspiration in der strukturalistischen Linguistik. Die Sprache ist nicht als lebendiger Organismus, sondern als ein instrumentales Operationssystem betrachtet. Theoretische Arbeiten und poetische Texten von Max Bense hatten einen groβen Einfluss u.a. auf Autoren wie Reinhard Döhl, Ludwig Harig und Helmut Heiβenbüttel.
Erprobte Textsorten der Stuttgarter Schule:

1. Buchstaben: Typenarrangement (Buchstaben-Bilder Rechenmaschinen)

2. Zeichen: Graphisches Arrangement (Schrift-Bilder)

3. Serielle und permutationelle Realisation (metrische und akustische Poesie)

4. Klang: Klangliches Arrangement (phonetische Poesie)

5. Stochastische30 und topologische Poesie

6. Kybernetische und materiale Poesie31

Beispiele von den seriellen Texten von Max Bense:

1.

Ist, Anna war, Livia ist, Plurabelle wird sein; die Sache ist, und sie ist, nur weil sie ist, und wenn es weniger als irgend etwas ist, dass jeder Tag heute ist, und sie sagen, dass jeder Tag ist, wie sie sagen, so ist der Schnee weiß.



2.

Und ein Signal tanzt.

Diese Funktion denkt und denkt.

Wer einen kalten Leser befragt, ist ein Fehler.

Geräuschen zittern an der Analyse.

Motoren sprechen neben dem Motiv.

Das Metall ruft die schlechten Motive.

Wer reizt die starren Wellen – die Richtung.

Heute strahlen die Kompositionen.

[…]
(Quelle: Willberg, 1992, 98)


2.6. Einfluss der Konkreten Dichtung

Konkrete Poesie hatte einen unbestrittenen Einfluss auf andere Literaturbereiche wie z.B. Prosa oder Hörspiel und reizte viele Schriftsteller zu den Überlegungen über ihre Funktion und Wirkung an.

Während Gomringer vom wirksamen Einfluss der Konkreten Poesie auf die Gesellschaft überzeugt ist, spricht Heißenbüttel dem visuellen Gedicht sogar meditationserweckende Funktion zu. Gomringer meint „dass man in der Konkreten Literatur zwar die Metapher vermisse, dabei aber übersehe, dass ein kleiner Sprachelement, isoliert betrachtet, ein gar wunderliches und nützliches Ding sein kann. Man muss sich nur die Mühe geben, es unter verschiedenen Aspekten zu betrachten.“ (Willberg, 1992, 88) Heinrich Vormweg sieht in die Konkrete Poesie die einzige literarische Gegenposition zu den Nachkriegsformen deutscher Dichtung. Hartmut Geerkens Stellungsnahme zur Konkreten Dichtung: „Konkrete Poesie kann durchaus als Therapie zur Befreiung eingefahrener Denkgewohnheiten betrachtet werden. In dieser Dimension ist die konkrete Poesie eine politische Dichtung.“ (Ebd. S. 89)

Viele Literate schätzen, dass diese Art von Poesie mit literarischen Mitteln gegen die Reduzierung und Sinnentleerung von Sprache ankämpft.


Zu den wichtigsten Autoren und Texten der Konkreten Dichtung gehören:

- Eugen Gomringers Konstellationen und Modelltexte

- Helmut Heiβenbüttels Textbücher (vor allem Topographien und Kombinationen)

- Franz Mons Artikulationen und visuelle Texte

- Ernst Jandls Sprechgedichte

- Claus Bremers Figurengedichte

- Dialekt- und Mundart-Gedichte der Wiener Gruppe

- Max Benses Textes (z.B. Dünnschliffe)

- Peter Handkes Satzstrukturen und visuelle Poesie

- Jürgen Beckers Typogramme (vgl. Willberg, 1992, 87)



3. Wiener Gruppe

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erscheinen weitere künstlerische Kreise, die die Situation im Staat mittels verschiedener „fremdartigen literarischen Aktionen“ reflektieren. Während die Hauptzentren des Dadaismus vor allem in der Schweiz (Zürich) und in Deutschland (Berlin) sind, ensteht in Wien nach dem Zweiten Weltkrieg sogennante Wiener Gruppe.

In meiner Arbeit beschreibe ich künstlerische Anfänge des Zirkels und präsentiere den Treffpunkt, wo die Avantgardisten ihre „Produkte“ vor dem Publikum demonstrierten. Danach erforsche ich ihre meistgebrauchten Ausdrucksmittel, die zur traditionellen Produktion im Widerspruch stehen. Seit mehreren Jahren interessiere ich mich für originelle Gedichte von Ernst Jandl, der zur Wiener Gruppe oft zugeordnet ist. Das was für mich eine gute Angelegenheit, seine Gedichte näher kennen zu lernen und ausführlicher zu analysieren.
3.1. Ursprung der Namengebung

Wiener Gruppe war eine Vereinigung der avantgardistischen Schriftsteller, die im Jahre 1946 in Wien gegründet wurde. Sie bildete den „harten Kern“ der österreichischen Avantgardeliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Benennung „Wiener Gruppe“ benutzte zum erstenmal die Autorin Dorothea Zeemann in einer Besprechung vom 23.6.1958 in der Tageszeitung „Neuen Kurier“, in der sie die österreichischen individualistichen Autoren als „Wiener Dichtergruppe“ nannte. Die literarischen Wurzeln der Gruppierung lagen in der Barockdichtung, in den Traditionen des Wiener Volkstheaters und vor allem im Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus.

(vgl. Rainer, 2006, 473)
3.2. Art-Club

Im Jahre 1947 wurde im Wien sogenannter „Art-Club“ errichtet. Ursprünglich diente der Club als Treffpunkt der Maler, Musiker, Architekten und Schriftsteller. Erst später formierte sich allmählich die Wiener Dichtergruppe, die sich auf die Sprache als Ausdrucksmittel konzentrierte.


Die jungen und experimentierfreundigen österreichischen Schriftsteller benutzten zahlreiche experimentelle Techniken und Verfahrensweisen. Der Art-Club diente als Podium für ihre Vorlesungen und literarische Cabarets, wo das Publikum durch Textmontagen, akustische und visuelle Poesie, Chansons und Sketches unterhalten wurde. Die Wiener Autoren kritisierten die offizielle Kultur. Ihr Verhalten war antibürgerlich; sie wendeten sich gegen versteinerte kulturelle Verhältnisse in Österreich und provozierten die Gesellschaft mit ihren Werken, in denen sie die Geschichtsschreibung ablehnten. In ihren Texten benutzen sie meistens kleine Buchstaben.

Die Autoren benutzten die Sprachexperimente vor allem zum Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem bornierten kulturellen Klima in Nachkriegsösterreich. Die Künstler kritisierten die Erstarrung der literarischen Formen und wollten die Belebung von dadaistischen und surrealistischen Traditionen. (vgl. Rainer, 2006, 473)
3.3. Experimentelle Produktion

In der literarischen Produktion kämpften die Künstler mit allen sprachlichen und auβersprachlichen Mitteln um die Aufhebung der Grenzen zwischen den literarischen Gattungen. (vgl. Ebd. 473) Sie wünschten sich die Befreiung von vorgegebenen literarischen Normen durch sog. „elementare Reduktion“, d.h. die Reduktion des künstlerischen Materials auf die einfachsten Basiselemente.

Zu den zentralen Themen der Wiener Gruppe gehören die Buchstäblichkeit der Alltagssprache, Phrasen und Floskeln. Innerhalb des Zirkels gab es keine bevorzugte literarische Form. Komik und Groteske, aber auch Zeitsatire erschienen in Montagen, Laut- und Dialektgedichten und die neue Mundartdichtung sollte das Publikum beunruhigen und zum Mitdenken herausfordern.
Die Wiener Avantgardisten wollten mit ihren Werken ähnlich wie die Dadaisten die Gesellschaft provozieren und schockieren. Sie trugen in den öffentlichen Veranstaltungen ihre Produktionen vor und organisierten sogenannte „poetische Prozessionen“ durch die Wiener Innenstadt. (vgl. Franke, 1983, 107) Die Tätigkeiten der Gruppe umfassten theatralische Aktionen, Sprachmontagen, Chansons, Hörspiele, Gemeinschaftsstücke und verschiedene literarische Manifeste. Die Künstler sammelten Ideen zusammen und schufen Parodien, Texte nach mathematischen Mustern und originelle Gedichte. Auβerdem entdeckten die Wiener Autoren ein neuer Dialekt für die moderne Literatur. (vgl. Rainer, 2006, 66)

Friedrich Achleitner äuβerte sich zur Dialektdichtung:

ich […] versuchte mit dem „material“ meiner mudart zu arbeiten, wobei mich hauptsächlich wiederholungsabläufe, die diesem dialekt besonders zu liegen scheinen, interessierten. es ist klar, dass jeder dialekt seine thematik provoziert. […] eine dichtung, die sich auf die spezifischen möglichkeiten der sprache beruft, hat es auch wieder möglich gemacht, den dialekt zu gewinnen. sein besonderer reichtum an wörtern, die konkretes bezeichnen, seine vorliebe für die behauptung […], sein hang zur wiederholung ergeben eine vielfalt von gestaltungsmöglichkeiten.“ (Ebd. 66)
Das Montageverfahren stand im Zentrum der gemeinsamen Bemühungen In der Zusammenarbeit produzierten die Autoren vor allem Montagen aus vorgefertigtem Sprachmaterial. In ihrer Kunst zerschlagen sie künstlerische Formen, vorgeprägte Modelle, vorgefundene Texte und vor allem die Sprache selbst. Die freigesetzten Elemente wurden in einer total unterschiedlichen Weise zusammengesetzt. (vgl. Franke, 1983, 107) Die Montagetexte resultierten aus einer Mischung von surrealistischer Collage- und konstruktivistischer Montagetechnik. (vgl. Žmegač, 1984, 752)
3.4. Hauptvetreter des Wiener Kreises
3.4.1. H.C. Artmann

Artmann war avantgardistischer Experimentator und zugleich wahrscheinlich der bekannteste Initiator des Wiener Zirkels. Dieser Verwandlungskünstler suchte seine Inspiration in der spanischen Literatur und in der Literatur des Barock. Neben den lyrischen Texten schrieb er Prosastücke und Theaterszenen. (vgl. Žmegač, 1984, 755)

Artmann ist oft als Erfinder einer Dialektsprache bezeichnet. Für ihn war die Benutzung dieser Sprachform auch eine Entlarvung von verbrauchtem Sprachmaterial durch Unverbrauchtes. Er interessierte sich vor allem für Aufzählungen, Montagen und Reiseberichte. In einer seiner theoretischen Äußerungen begründete Artmann sein experimentelles Verfahren:
Worte haben eine bestimmte magnetische Masse, die gegenseitig nach Regeln anziehend wirkt. Sie sind gleichsam «sexuell«, sie zeugen miteinander, sie treiben Unzucht miteinander, sie üben Magie, die über mich hinweggeht, sie besitzen Augen, Facettenaugen wie Käfer und schauen sich unaufhörlich und aus allen Winkeln an […] Ich bin ein Kuppler und Zuhälter von Forten […].“ (Ebd. 755)
Großen Erfolg brachte ihm die lyrische Sammlung im Vorstadtdialekt med ana schwoazzn dintn. gedichta r aus bradnsee, die im Jahre 1958 veröffentlicht wurde. Das Buch enthält zahlreiche Gedichte in der Wiener Mundart. Artmann benutzt normales Alphabet, obwohl der Wiener Dialekt aus etwa zwanzig gesprochenen Vokalen besteht. (vgl. Baumann, 1985, 273). Weil den Künstler das Experimentieren mit der Sprache lockte, ist es für den Leser heutzutage ziemlich kompliziert, die entstehenden Auserücke zu entschlüsseln. Die Theme der Gedichte sind sehr vielfältig. Artmann schreibt meistens über Liebe, Tod, Angst, Trauer, Furcht und Hass. Das Buch ist voll von Artmanns Erinnerungen an die Kindheit, Einfällen und Träumen, Liebes- und Todesgedichten.

Hier gibt es Beispiel aus dem Gedichtband med ana schwoazn dintn:


es gibt guade und bese geatna:

des is es liad fon an besn
mein gmiad an quadratmeta zeascht

is ma fadistad und zwaa quadratmetan

waun da mond zuanema duad und an gaunzn gatl hoed s daun nima r aus ana glan wisn

mi glist s fost noch an bluad ana grossn wisn

do nim e mei giaskaunlkaunl und daun an gaunzn

und giass de bluman födfödföd…

wia r a reng…
und daun do ken e nix

und daun do giw e kann bardaun

dau nim e d sichl draum do kuman s olle

und hau r eana r ollan olle draun

d kepfal oo! de gaunze nocht

hadsch i daun duach

des bluad rind mia

fon omd en d schuach

(Quelle: http://science.kairo.at/lang/artmann.html)
3.4.2. Friedrich Achleitner

Achleitner zählt sich zu den Autoren der österreichischen Nachkriegsära, der in der Wiener Gruppe literarisch aktiv war. Er ist besonders durch seine systematische Bearbeitung in achzehn Schritten unter dem Titel „veränderungen. eine studie.“ berühmt. Es handelt sich um einen Sensationsbericht über den Selbstmord einer Frau, der am 20. Januar 1960 im Wiener „Neuen Kurier“ veröffentlicht wurde. (vgl. Žmegač, 1984, 757) Am Anfang und am Ende steht der unveränderte Zeitungstext, der „verfremdet“ ist. Diese Verfremdung ist durch Kleinschreibung, fehlende Zeichensetzung und eine künstliche Anordnung von Wortgruppen, die den Lesevorgang erschwert, demonstriert. Der Ausgangstext wird durch verschiedene Wortauswechslung, Wortzerlegung, Satzzerlegung, Rotation und „Veränderungen“ die Aufmerksamkeit des Lesers beeinflussen sollen, dass auch der Usprungstext Wirklichkeit nicht abbildet, sondern erst erzeugt.(vgl. Ebd. 757)


3.4.3. Gerhard Rühm

Anders als Achleitner, der sich vor allem für Konstellationen, Montagen und Dialektgedichte interessiert, schreitet Rühm diesen Spielraum aus wie kaum jemand. Es kommt zu Grenzüberschreitungen in Richtung Musik und in die bildende Kunst. Seine Tätigkeiten begreifen Schreibmaschinenideogrammen, die Verwendung von verschiedenen Letterngrößen und – formen bis zur Einbeziehung von Farbe (Farb-Textideogramme), Bewegung (Textfilme) und Raum (plastische Buchstaben). (vgl. Ebd. 758)

Gerhard Rühm verkürzte die Sprache auf die für das Verständnis bedeutendsten Wörter.(vgl. Baumann, 1985, 273)

Hier gibt es ein Beispiel:

stille

irgendwer sucht mich



stille

wer sucht mich

stille

sucht mich



stille

ich


stille
(Quelle: Rainer, 2006, 66)

3.4.4. Oswald Wiener

Wiener wendet in seinen Publikationen Attacke gegen alle Normen und Kategorien. Er protestiert gegen allgemeine Gesetze, gegen Stil und Fiktion und auch gegen Persönlichkeit und Charakter. Er versucht, die Bedingungen der Sprache abzuschütteln, um Raum für die Entwicklung der Subjektivität zu schaffen. (vgl. Ebd. 760- 761) Zu seinem bedeutendsten Werken zählt sich die verbesserung von mitteleuropa, roman. Das Buch enthält zahlreiche Aphorismen, Essays, fingierte Tagebuchaufzeichnungen, Skizzen, Notizen, Erzählbruchstücken und theoretisierende Abhandlungen.


3.4.5. Konrad Bayer

Bayer versucht sich in seinen Werken mit der Sprache zu experimentieren und die Sprachroutine aufzubrechen. Er verbindet unterschiedliches Sprachmaterial assoziativ miteinander und zu seinen beliebtesten Tätigkeiten gehören Montagen. In seiner umfangreichsten Romanmontage kopf des vitus bering montiert er Abenteuer- und Reisemotive aus der Biographie des russischen Seefahrers und Polarforschers mit Berichten über schamanistische Riten und rückt das authentische Montagematerial in die übergreifende Perspektive einer fiktiven Epilepsie von Bering. Bayers Tod hatte zur Folge den Zerfall der Gruppe. (vgl. Ebd. 760)


3.5. Ende der Gruppe

Am Anfang der sechzigen Jahre began die Wiener Formation zu zerfallen und mit dem Selbstmord von Konrad Bayer ging die Wiener Gruppe allmählich ein. Es ist nötig anzugeben, dass die avantgardische Bewegung in Österreich oft negativ aufgenommen wurde. Es gab nämlich viele Gruppierungen, die die Schaffung des Weiener Kreises nicht als „Kunst“ ansahen.

Gerhard Rühm drückte sich zur Wahrnehmung des Wiener Kreises in Wien aus:

Wir fühlen uns hier abgeschnitten, auf verlorenem posten, von einigen wenigen abdrucken in zeitschriften und deutschen anthologien abgesehen, häufen sich unsere unpublizierten manuskripte in der schublade. wir haben hier keine chance, rundfunk, fernsehen, verlagswesen beherrscht ein arroganter provincialismus. «avantgardisten« sind von vornherein suspekt, die sollen doch gleich ins ausland gehen, in österreich brauch ma des ned.“ (Rainer, 2006, 66)


4. Sprachkünstler Ernst Jandl
4.1. Experimentelle Anfänge

Ernst Jandl wurde am 1.8.1925 in Wien geboren. Im Jahre 1943 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Als er in den Jahren 1943-45 des Militärs entgehen wollte, verstrickte er sich in die Kriegsgefangenschaft, wo er als Dolmetscher wirkte. Später studierte Germanistik und Anglistik und im Jahre 1945 began er als Gymnasiallehrer zu arbeiten. Seine erste Frau war eine Lehrerin, aber die Ehe dauerte nicht lange und später knüpfte er Kontakte mit Friederike Mayröcker, die seine Liebensgefährtin wurde. Zusammen mit Fireder Mayröcker verwirklichte Ernst Jandl die Hinwendung zur experimentellen und Konkreten Dichtung. (vgl. Žmegač, 1984, 764)



Jandl stand in der Verbindung zur Wiener Gruppe. Ähnlich wie die Mitglieder der Wiener Gruppe wurde Jandl von Expressionismus und Dadaismus beeinflusst und versuchte an die Tradition der Moderne anzuknüpfen. Seine Inspiration fand er auch in der anglosächsischen Literatur; vor alllem in den Werken von James Joyce. Seine Vorbilder waren auch Getrude Stein, Kurt Schwitters und Bertolt Brecht. In seiner Produktion gelang es ihm, sich von der gesellschaftlichen und künstlerischen Begrenzungen zu befreien. Der Autor starb 9.5. 2000.
Jandl versteht das Experiment nicht als bestimmtes Verfahren, sondern als eine Grundhaltung, die gegen jede Gewöhnung an Normen des Sprachgebrauchs und gegen jede Automatisierung von poetischen Spielregeln gerichtet ist. (vgl. Ebd. 764) Typisch für den Autor ist die Lust zum Sprachspiel. Seine Texte reizen zum Lachen und rufen Begeisterung vor. Der Autor will den Kontakt mit dem Hörer oder Leser nicht brechen, sondern durch Momente des Komischen, Humorvollen und Grotesken festhalten.
Der Sprachkünstler interessierte sich nicht viel für die Politik und deshalb gehören politische Ereignisse nicht zu seinen bevorzugten Themen. Mit den Experimenten in der Literatur entdeckte Jandl für sich Freiheit, neue literarische Formen zu erproben. Er bemühte sich um die Verwendung der konventionellen Formen der Sprache und ihre Zerlegung in die Einzelteile. Zu seinen beliebten Aktivitäten zählt man Sprachspiele mit den Silben, Buchstaben und Lauten. In vielen von seinen Gedichten dominiert sprachlicher Witz. Manche von seinen Gedichten sind so angelegt, dass der Leser sie laut vortragen muss. Jandls Produktion besteht aus Hörspielen, Theaterstücken, Essays und vor allem lyrischen Texten. Er gab zahlreiche Schallplattenaufnahmen mit seinen Laut- und Sprechgedichten heraus. Seine Gedichte vermittelt man von Generation zu Generation, heutzutage häufig in multimedialer Form. Die Poeme sind so unterhaltsam, dass nicht nur den Erwachsenen, sondern auch den Kindern macht es Spaβ, sie zu lesen.
Jandl bezieht sich auf die Tradition und zieht sich zugleich zurück auf die bloßen Kennmarken des traditionellen Redens. Er zieht sich zurück auf ein sprachliches Rudiment (oder auch, an anderer Stelle, auf ein Sprachfeld, ein Sprachspiel, eine Redekette usw.), das er am Grunde dessen findet, was in der Überlieferung Gedicht hieß. Dies Rudiment (mit allem, was sich aus ihm, aus seiner Wortwörtlichkeit erschließen läßt) verarbeitet er zu einem Modell, an dem sich zeigt, wie der Redende (und sein Leser, sein Nachsprecher) sich in der Sprache befindet.“ (Jandl, 1976, 156)
Im Jahre 1952 publizierte er seine ersten Gedichte in der Wiener Zeitschrift neue wege. Sein erster Band, der noch konventielle Produktion enthält, heiβt Andere Augen (1956). Im Jahre 1956 began er neue Schreibmethode zu benutzen und präsentierte zum ersten Mal seine experimentellen Arbeiten. Es kam zu einer heftigen Kritik seiner Produktion und dies hatte für Jandl unangenehme Folgen. Seit dem Jahre 1957 war er von weiteren Publikationsmöglichkeiten für lange Zeit abgeschnitten, weil seine Texte als ungeeignet für die Jugendlichen betrachtet wurden. Jandls Texte gelangen mit beträchlicher Verspätung in die Öffentlichkeit. Er war zehn Jahre als Autor praktisch überhaupt nicht vorhanden.
4.2. Hörspiel

Jandl brachte viele Innovationen, die zur Entwicklung des Hörspiels führten. Er konzipierte alle seinen Hörspiele nicht nur aus der literarischen, sondern auch aus der akustischen Hinsicht und er wurde damit zu einem der Wegbereiter des „Neuen Hörspiels.“ (vlg. Žmegač, 1984, 766) Als Beispiel dieses neuen Hörspieltyps gilt Fünf Mann Menschen. Dieses Werk, das Jandl zusammen mit Friederike Mayröcker schuf, wurde im Jahre 1969 mit dem renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden bewertet. In der Begründung der Jury sagte es:

Jandl/Mayröcker haben zum erstenmal im Hörspiel die Möglichkeiten der Konkreten Poesie beispielhaft eingesetzt. Sie zeigen exemplarische Sprach- und Handlungsvorgänge, in denen ein programmierter menschlicher Lebenslauf nicht abgebildet, sondern evoziert wird.“ (Ebd. 766)
4.3. Gedichtsammlung laut und luise

Anfang der 60er Jahre besuchte Jandl die BRD, wo kurz darauf die Verlage einige von seinen Gedichten herausgaben. Im Jahre 1966 wurde im Walter Verlag die Gedichtsammlung laut und luise publiziert und zwei Jahre später trat der Band sprechblasen in Erscheinung. (vgl. Baumann, 1985, 271) Die beiden Werke erlangen schnell große Beliebtheit. Mit der Veröffentlichung der Sammlung laut und luise im Jahre 1966 zählte er sich zu den erfolgreichsten Repräsentanten der experimentellen Poesie.

Die Gedichtsammlung kann man als Revolution in der Lyrik ansehen. Ungeachtet der Tatsache, dass viele Literaturkritiker in seiner Produktion eine unerträgliche Provokation sahen, stellte der Band „Musterbuch modernes Textverfahrens“ dar. Der Autor äuβerte einen radikalen Anspruch an die Poesie, dadurch dass er auf die übliche Syntax und den traditionellen Wortgebrauch verzichtete.32
Der Band enthält eine groβe Vielfalt von Gedichten. Nebeneinander stehen Sprechgedichte, Lautgedichte, visuell wirkende Texte und Gedichte in der traditionellen Form. Neben dem Dialekt benutzt Jandl auch Fremdsprachen, vor allem Englisch. Einerseits gebraucht er die traditionelle literarischen Formen wie Vers-, Strophen- oder Gedichtformen (zb. Lied, Ballade, Epigramm), andererseits kann man in seiner Produktion zahlreiche experimentelle Versuche und Tendenzen sehen.
Unter dem Begriff Sprechgedicht versteht der Autor ein Gedicht, das erst beim lauten Lesen seine volle Wirkung gewinnt. In den Sprechgedichten werden die Wörter zusammengezogen, gedehnt, zerlegt und neu gruppiert. (Das Beispiel von einem Sprechgedicht ist z B. das Gedicht schtzngrmm).

Im Lautgedicht ist das Wort nicht mehr Gegenstand der Dichtung, weil es sein Aussagewert verliert.33 Es kommt zur Zerlegung von den einzelnen Buchstaben bzw. Lauten. Sie werden isoliert oder neu zusammengefügt. (Das Beispiel von einem Lautgedicht ist das Gedicht bericht über malmö).


Jandl gliedert seine Gedichte in 13 Sektionen: Mit Musik (Lieder), Volkes Stimme (Diealektgedichte), Krieg und so (politische Gedichte) Doppelchor (Liebesgedichte), Autors Stimme (autobiographische Gedichte), Der Blitz (gröβeres Lehrgedicht), Kuren (didaktische Gedichte), Kleine Erdkunde, (visuelle Poesie), Jahreszeiten, Zehn Abendgedichte, Bestiarium (Naturlyrik), Epigramme und abschlieβender Zyklus Klare gerührt (visuelle Poesie). In dem letzten Zyklus ordnet Jandl die beiden titelgebenden Worte bis zu einzelnen Buchstaben in den Zeilen und auf der Seite so an, dass es zur Entstehung der graphischen Figuren kommt. (vgl. Jandl, 1976, 156) In diesen Gedichten sagt Jandl die Syntax ab und das Wort verliert seine Bedeutung. Da die Poeme einen anderen Sinn haben, sind sie jedoch sinnvoll. Jandl spielt mit dem Witz und der Band ist voll von grotesken Sprachspielen (Zb. Bessermerbirnen). (vgl. Barner, 1994, 450)
Mit dem riesengroβen Erfolg entscheidet sich der Autor, seine Texten auch auf den Schallplatten herauszubringen. Er macht viele Aufnahmen von seinen Gedichten. Zu den bedeutendsten Lyrikbänden dieser Zeit lässt sich der Band dingfest zählen, der im Jahre 1970 veröffentlicht wurde. Der Sprachakrobat Jandl stellt nebeneinander Liebesgedichte, zeitkritische Balladen, lakonische Verse und Groteske. Jandls Gedichten sind durch Humor, Satire, Pathos und Wortspielen gekennzeichnet. Es ist typisch für den Schriftsteller, dass er in vielen von seinen Texten auf Groβbuchstaben verzichtet.
Weitere experimentelle Gedichsammlungen:

- sprechblasen (1968)

- der künstliche baum (1970)

- flöda und der schwan (1971)

- übung mit buben (1973)

- serienfuss (1974)

- der versteckte hirte (1975)

Ernst Jandl gab sich die Mühe, die Festschreibung zu vermeiden. Die wichtigsten sprachlichen Merkmalen in seinen Gedichten:

- Vokalhäufung (aus dem Gedicht ottos mops): „ottos mops klopft/otto:komm mops/ottos mops kommt/ottos mops kotzt/otto:ogottogott“

- Vokalrundung (aus dem Gedicht die mutter und das kind) : „üch/wüll/spüllen//spül düch/meun künd“



- Vokalausfall (aus dem Gedicht schtzngrmm): „schtzngrmm/schtzngrmm//t-t-t-t-/t-t-t-t-t/grrmmmmm/t-t-t-t-/s----c----h/“

- Konsonantenvertauschung (aus dem Gedicht lichtung): „manche meinen/lechts und rinks/kann man nicht velwechsern./werch ein illtum!“

- Laut- und Silbenausfall (aus dem Gedicht fragment): „wenn die rett/es wird bal/übermor/bis die atombo/ja herr pfa“

- Sprachmischung (aus dem Gedicht calipso): „ich was not yet/in brasilien/nach brasilien/wulld ich laik du go“ (vgl. Rainer, 2006, 475-476)

4.4. Analyse von Jandls Gedichten
Ich habe mich entschieden, vier Jandls Gedichte aus dem Gedichtband laut und luise ausführlicher zu analysieren und verschiedene Techniken seines Schreibens zu präsentieren. Ich habe die Gedichte aus unterschiedlichen Sektionen gewählt, um die Vielfalt von Jandls literarischen Versuchen zu zeigen (z.B. Dehnung und Verkürzung von Vokalen, Permutation, Epigramm).

Das erste Gedicht jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee macht sichtbar, wie der Autor mit den Vokalen und Konsonanten spielt und dehnt sie, wie es nur möglich ist. Im zweiten Gedicht chanson benutzt Jandl die Regeln der Permutation und schafft alle möglichen Variationen von der Abfolge der vier Ausdrücke. Das dritte Gedicht schtzngrmm ist ein eindrucksvolles Beispiel von einem Sprechgedicht, in dem Jandl das Wort in seine Bestandteile maximal verkürzt und auf die Vokale ganz verzichtet. Das letzte Gedicht lichtung stellt ein Epigramm dar, in dem Jandl absichtlich zwei Konsonanten verwechselt. Auf diese Weise entstehen neue Wörter, die unterschiedliche Bedeutungen haben.




4.4.1. jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee (aus der Sektion autors stimme)

jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

suss


g

g

kc-----------------------------h



ommmmmmm

h-------------------------------h

jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

suss



komm

kommmm


kommmmmm

kommmmmmmm

hrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

herrrrrrrrrrrrrr

jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

eeeeeeeeeeeeeee

eeeeeee



suss


(Quelle: Jandl, 1976, 51)

Bei der Interpretation dieses Gedichtes ist die akustische Hinsicht signifikant. Das Poem ist für den lauten Vortrag geeignet. Am „Jesus-Text“ erkennt der Leser, dass die Textstruktur sich von der typischen Prosa wie auch von üblicher Lyrik unterscheidet. Das Poem besteht nur aus drei Worten: Jesus, komm, herr. Sie verlieren ihre semantischen Bedeutungen und werden zum nicht-semantischen Material „entwertet.“ Das Gedicht prägt sich durch ungewöhnliche Anordnung und „Überstrukturierung“ aus. Jandl entstellt das Sprachmaterial durch Zerlegung und Wiederholung von Vokalen und Konsonanten. Die Wörter, Silben und Buchstaben dehnen sich zum Extrem. Lautliche und optische Effekte werden im Poem freigesetzt. Das gedehnte Wort Jeeeeesus, in die Länge gezogene kommmmm sowie das endlos rollende herrrrr enthalten meiner Meinung nach parodistiche Merkmale. Der Leser/Hörer kann vermuten, dass der Autor über kirchlichen Sprachgesang (Jeeeee..., eeeeeee…), über Frömmigkeit (ggkchchchchmmmmmmmmhhhhhh, komm…, kommm…, kommmmm…) oder über Unterwürfigkeit (einige Zeilen können fast als Drohungen interpretiert werden, die Jandl in Wut ausdrückt: hrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr, herrrrrrrrrrrrrr…) spottet. 34



4.4.2. chanson (aus der Sektion mit musik)

l’amour


die tür

the chair

der bauch
the chair

die tür


l’amour

der bauch


der bauch

die tür


the chair

l’amour
l’amour

die tür

the chair


le tür

d’amour


der chair

the bauch


le chair

der tür


die bauch

th’amour
le bauch

th’amour

die chair

der tür

l’amour


die tür

the chair


am’lour

tie dür


che thair

ber dauch


tie dair

che lauch

am thür

ber’dour
che dauch

am’thour

ber dür


tie lair
l’amour

die tür


the chair

(Quelle: Jandl, 1976, 6)


Das Gedicht, das aus deutschen, englischen und französischen Ausdrücken besteht, liegt an der Grenze zwischen einem „normalen“ Text und dem Text der Konkreten Poesie. Es geht es um ein Nonsens-Gedicht mit einem unsinnigen Inhalt, der das Gedicht humorvoll macht. Das Poem hat einen melodischen Charakter.35 Die Strophe und der Refrain werden im Text ironisch reduziert und parodistisch imitiert. Der dreizeilige Refrain wird vom Autor dreimal präsentiert am Ende der drei Dreistrophengruppen. Die Dreistrophengruppen setzen sich aus drei Vierzeilern in drei Sprachen. Anstatt der lyrischen Variation setzt Jandl im Gedicht die Regeln der Permutation an.
Jandls Basis- Strophe sieht folgenderweise aus:

l’amour


die tür

the chair

der bauch
Er kombiniert und neu grupppiert vier Substantive und auf diese Weise kommt es zur Änderung der Reihenfolge (statt „l’amour“ steht „the chair“ an der ersten Stelle, in der nächsten Strophe steht an der ersten Stelle „der bauch“). In diesen Fällen hat jedes Substantiv noch seinen richtigen Artikel.
the chair der bauch

die tür die tür

l’amour the chair

der bauch l’amour


Nach der ersten Permutationsgruppe (bzw. Dreistrophengruppe) folgt ein Dreizeiler; in ihm verebbt die Melodie mit der dritten Zeile („the chair“)36

Dann kommt der Refrain:



l’amour

die tür


the chair


In der nächsten Dreiergruppe werden die ersten drei Strophen wiederholt, Jandl vertauscht jedoch die Artikel und zwar jedes Wort der drei Gruppen hat einen neuen Artikel. Die Abfolge der Substantive ist in allen Strophen geändert (gegenüber der ersten Dreistrophengruppe):




le tür

le chair

le bauch

d’amour

der tür

th’amour

der chair

die bauch

die chair

the bauch

th’amour

der tür

Der wiederholte Refrain (in drei Zeilen und drei Sprachen geschrieben) ändert sich in allen drei Rekapitulationen nicht. Die Abfolge ist solche:

l’amour

die tür


the chair
In der ersten Strophe der dritten Permutations- oder ‚Deklinations‘-Reihe behält der Autor die Reihenfolge der allerersten Strophe. Doch werden die Substantive und die Artikel nach den matematischen Gesetzen umgestaltet und zu Zungenbrechern rearrangiert:


am’ lour

tie dair

che dauch

tie dür

che lauch

am’thour

che thair

am thür

ber dür

ber dauch

ber’ dour

tie lair


Der Refrain bleibt der gleiche wie in den vorstehenden Rekapitulationen:
l’amour

die tür


the chair
Die Permutation bringt immer neue Abfolge von Substantiven. Man kann bemerken, dass Jandl nach dem mathematischen System acht verschiedene Varianten der Abfolge der Substantive herstellt (nur die Strophen1 und 9 haben die gleiche Abfolge der Substantive).

4.4.3. schtzngrmm (Laut- und Buchstabengedicht aus der Sektion krieg und so)
schtzngrmm

schtzngrmm

t-t-t-t

t-t-t-t


grrmmmmm

t-t-t-t


s-----c------h

tzngrmm


tzngrmm

tzngrmm


grrmmmmm

schtzn


schtzn

t-t-t-t


t-t-t-t

schtzngrmm

schtzngrmm

tssssssssss

grrt

grrrrrt


grrrrrrrrrt

scht


scht

t-t-t-t-t-t-t-t-t-t

scht

tzngrmm


tzngrmm

t-t-t-t-t-t-t-t-t-t

scht

scht


scht

scht


scht

grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

t-tt
(Quelle: Willberg, 1992, 95-96)

Ich denke, dass dieses Gedicht von den Ereignissen und Erfahrungen im Schützengraben-Krieg spricht. Es kann als eine Geschichte eines Soldaten und dessen Teilnahme an dem Krieg und sein warscheinlicher Tod, interpretiert werden. Jandl verzichtet auf die Vokale und deshalb besteht das ganze Poem nur aus Konsonanten. Er zerlegt das Wort und fügt seine Elemente zusammen, so dass neue Lautgruppen entstehen. Der Text is ein Beispiel der visuellen Poesie und zugleich ein Beispiel vom Sprechgedicht. Nicht nur der optischer Effekt beim Lesen, sondern auch der akustische Effekt spielt bei der Deklaration des Gedichtes eine groβe Rolle.


Durch die Variationen der Konsonanten imitiert der Autor das akustische Geschehen im Grabenkrieg. Er benutzt zahlreiche Wiederholugen, Steigerungen und Reduktion des Wortes. Die Wortbrocken schtzngrmm, grmmmm und t-tt lassen sich auf „Schützengraben“, „grimmig“ und „tot“ beziehen. Die Konsonanten evozieren meistens die Geräusche und die Waffen des Kriegs. Jandl zerlegt das Wort bis in seine Bestandteile. Er verkürzt das Wort Schützengraben zu einem konsonantischen Lautspiel. Das Gedicht besteht vor allem aus harten und klanglosen Konsonanten: sch, tz, n, g, r, m, t. 37
Die Konsonanten sollen bei dem Lesen/Hören/Sprechen Assoziationen entwickeln. Man kann sich gut Geschoss- und Geschütz-Geräusche, Feuerwaffen und Geschütze des Kriegs vorstellen. Die Laute t-t-t-t, später t-t-t-t-t-t-t-t-t-t imitieren das Rattern des Gewehrs, die Wortverbindung grrmmmm evoziert den Einschlag der Geschosse oder Kriegssirenenheulen und der Wortfetzen tzngrmm erinnert an den Schuss oder einen Einschlag. Im Gedicht steigert Jandl die Wortbrocken grrt, grrrrrt, grrrrrrrrrr und diese Steigerung kann dem Perzipienten das Rattern eines Maschinengewehrs suggerieren. Mit der Lautkonstellation S----C----H kann Jandl Zischen einer Zünschnur oder ein vorbeifliegendes Geschoss meinen, die Konsonantengruppe ts suggeriert wohl die Kugeln. Die letzte Zeile soll dem Perzipienten die Pointe des Kriegsgedichtes erläutern: die Konsonantenverbindung t-tt stellt vermutlich den Tod des Soldaten dar.

4.4.4. Lichtung (aus der Sektion Epigramme)

manche meinen

lechts und rinks

kann man nicht velwechsern

werch ein illtum
(Quelle: Jandl, 1976, 135)

In diesem Fall handelt es sich um ein humoristich - politisches Gedicht. Man nennt es oft als „lechts-rinks-Gedicht.“ Jandl präsentiert ein Buchstabenspiel, das zur Verfremdung der Sprache führt und ihm ermöglicht, das Sprachmaterial auszustellen. Das Poem ist für laute Deklaration gezielt. Im Text gibt es (mit der Überschrift) sechs Versprecher, die das Gedicht witzig machen. Jandl vertauscht in der Fassung zwei Konsonanten und zwar l und r: l(r)echts, r(l)inks, vel(r)wechseln, wer(l)ch, ill(rr)tum und l(r)ichtung.38


Meiner Meinung nach sagt der Text in einem übertragenen Sinn, dass es unter gewissenen Umständen möglich ist, rechts und links auszutauschen. Mit diesen zwei Wörtern kann der Autor politische Parteien meinen. Die Unterschiede zwischen rechts und links symbolisieren wohl die Unterschiede zwischen braun und rot, schwarz und rot oder auch braun und schwarz. Es geht wahrscheinlich um die Unterschiede zwischen der nationalsozialistischen und der kommunistischen Ideen (zwischen rechtskonservativen und sozialdemokratischen Parteien). Diese politischen Positionen kann man miteinander nicht verwechseln, doch der Versprecher des Menschen verrätet, dass der Mensch an die Austauschbarkeit glaubt, weil er sich selbst verschuldet. Diese Fehlleistungen überführen den Sprecher, weil sie offenbaren, welche unbewussten und ungewollten Strebungen sich unterhalb seines Bewusstseins verstecken.

5. Martin Walser und experimentelle Prosa der Gegenwart
Bisher beschäftigte ich mich nur mit den avantgardistischen Tätigkeiten auf dem Gebiet der Poesie. Jetz möchte ich gern experimentelle Produktion in der Prosa demonstrieren. Ich habe mich dafür den zeitgenössischen Autoren Martin Walser gewählt, weil sein Schreibstil sich von der gewöhnlichen literarischen Schaffung sehr unterscheidet. Am Anfang lege ich wesentliche Informationen über seine Lebensgeschichte vor und danach versuche ich Walsers zwei Werke ausführlich zu analysieren und experimentelle Merkmale in seinen zwei Werken zu präsentieren.
5.1. Kurze Biographie

Martin Walser wurde am 24.3.1927 im Wasserburg am Bodensee als Sohn eines Gastwirtes in einer Kleinbürgerfamilie geboren. Als er 16 Jahre war, musste er zum Kriegsdienst abmarschieren. Nach dem Abitur studierte er an der Theologisch-Philosophischen Hochschule in Regensburg und in Tübingen und im Jahre 1951 promovierte er über Franz Kafka (Beschreibung einer Form). Bevor er als freier Schriftsteller zu arbeiten begann, war er bei Süddeutschen Rundfunk im Bereich Politik tätig. Reisen für Rundfunk und Fernsehen führten ihn nach England, Polen, Italien, Frankreich und auch in die damalige Tschechoslovakei. Im Jahre 1950 heiratete Walser Katharina Neuner-Jehle, die ihm vier Töchter gebar. Drei Jahre später wurde er Mitglied der „Gruppe 47“, die als Verbindung von Schriftstellern und Journalisten, die sich für ein neues demokratisches Deutschland einsetzten, diente. (vgl. Arnold, 1983, 70)


Er sieht das Schreiben als ein Experiment, bei dem man so wenig das Ergebnis vorhersehen kann wie bei einem wissenschaftlichen Experiment. Walser selbst sagt: „Methoden und Versuchsbedingungen müssen so beschaffen sein, dass sie das Ergebnis des Experiments nicht schon vorwegbestimmen, denn sonst ist der Versuch, wie man in der Sprache der Wissenschaft sagt, nur noch eine Tautologie, ein weißer Schimmel, und man braucht das Experiment gar nicht erst durchzuführen.“ (Ebd. 71)

Walser zählt sich zu den wichtigsten Autoren der deutschen Nachkriegszeit. Er gilt als Dramatiker, Erzähler und Sprachvirtuose, der seine zeit- und gesellschaftskritischen Romane gern in ironischer Gestaltung schreibt. Seine Hauptthemen sind meistens Ehe, Liebe und Midlife-Crisis. Walsers Blickfeld stellten oftmals die kleinbürgerlichen Angestellten dar.


Seine Romane und Erzählungen bieten eine Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Walsers Antihelden, Mitellstandsfiguren und Hauptprotagonisten leiden vielmals an private Beziehungen, gesellschaftlichen Zwängen, beruflichen Abhängigkeiten und Misserfolgen. In seinen Werken dominiert die Abhängigkeit der Figuren von ihren psychischen und sozialen Ursachen. Sie leiden an ihren Rollenzwängen und an den Erwartungen der anderen. Der Autor erzählt die Geschichten häufig in einer Kreis-, Spiralbewegung oder in der Rückschau. (vgl. Ebd. 34)
Walser erhielt für sein literarisches Schaffen zahlreiche Preise. Zu den bedeutesten gehören den Hauptmann Preis (1962), den Georg-Büchner-Preis (1981) und den Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1998).


5.2. FICTION

Anfang der 70er Jahre versuchte sich der Autor um seine extremste erzählerische Präsentation der Spannung zwischen Selbstverwirklichung und Fremdbestimmung in seinem Buch Fiction, das im Jahre 1970 herausgegeben wurde. In diesem Buch sagte Walser traditionelle Gegenstände und Techniken der Prosa ab. In immer fortschreitenden Assoziationen wird Gesagtes zurückgenommen. Die Handlung wird bruchstückweise, ohne Zusammenhang erzählt und die Ereignisse sind zeitlich nicht umgrenzt. Man kann bemerken, dass der ganze Text an einen sinvollen Zusammenhang fehlt. Die Gedanken des Protagonisten sind durch zahlreiche Assoziationen entwickelt, so dass eine Assoziation einer anderen folgt. Der Ich-Erzähler bummelt durch München, erleidet Niederlagen bei Frauen, siegt über Freunde und wird letzten Endes doch geschlagen. (vgl. Bortenschlager, 1978, 29)


Ich. Es gibt.“ (Walser, 295)
Mit dieser Spaltung zwischen dem „Ich“ und der Welt beginnt die Erzählung des Textes. Dann kommt es zur näheren Bestimmung dieses „Ich“ durch seine Bewegung.
Ich gehe. In die Stadt. Eine Menge Menschen. Es gibt immer. Wo ich hinkomme. Eine Menge Bilder. Ich folge. (Walser, 295)
Im Buch, das in fünf Kapiteln gegliedert ist, beklagt sich ständig der Protagonist über Schmerzen, die ihm das glückliche Leben verhindern. Die Hauptfigur leidet unter körperliche Ausffallerscheinungen wie Wadenkrampf, Hörschwierigkeit und Atemnot und seine gesundheitlichen Probleme sind im Buch allmählich detailliert geschildert.

Dieses erzählte Bewusstsein stellt ein Chaos aus Schmerz, Missmut und unerfüllten Hoffnungen dar. Aggressivität und Sehnsucht, erotische Wunschträume aber auch Angst vor der Impotenz oder Zurückbildung in die vollkommene Bewegungslosigkeit sind die Hauptprobleme des Protagonisten. Das starre soziale System macht die Hauptfigur melancholisch und verzweifelt. (vgl. Arnold, 1983, 61)


Natürlich spielt vorerst der Wadenmuskel die größere Rolle. Ohne diesen Schmerz hätte ich nicht den Mut gehabt, ein solches Auto einzuführen. […]“ (Walser, 296)
Man darft sich praktisch überhaupt nicht bewegen. Andererseits wird dann der Schmerz im Wadenmuskel immer.“ (Walser, S. 307)
Mir läuft die Nase. Es ist der Katarrh. Ein gewöhnlicher Schnupfen. Ein Virusschnupfen, ausfelöst wahrscheinlich von einem Schnupfenvirus.“ (Walser, 341)
Der Text ist reich an erotischen Vorstellungen und vermittelt dem Leser offene sexuelle Lust des Protagonisten.
Ich sollte dieses fremde Mädchen, dessen Namen ich durch eine Flugbuchung kennen könnte, küssen. Sind wir uns darüber im klaren. Wer hat mich bloß hierhergeschickt. Was soll ich bei der hübschen Schnalle. Heiraten. Richtig. Heiraten möchte ich dieses hübsche Ding.“ (Walser, 303)
Jetzt küssen wir uns mal, was meinst du. So ermächtige ich mich zu einem Überfall. Wenn erst die Münder in Aktion treten, geht alles viel rascher. Da wird man überholt. Da kommt man gar nicht mehr mit. Vier Lippen, zwei Zungen und die dazugehörigen Zähne, die schaffen eine Menge. Jetzt sind wir uns, hoffe ich, schon weniger fremd. Ich entziehe ihr etwas Speichel, dass sie sieht, wie sehr mir an Vetraulichkeit liegt. Während sie noch lacht, zieht sie sich aus. Entledigt sie sich ihrer Wäsche. Wirft sie ihre Wäsche ab. Na ja. Jetzt. Jetzt haben wir den Salat. Ich gebe mich erstaunt, weil ich auf ihren sexuellen Angriff überhaupt nicht reagiere. Ist das nicht erstaunlich? Nicht, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Nacherzählung handelt. Wie soll das denn gehen, sag doch, Schatz, wie soll das gehen. Nun wirfst du dich hin und her, bäumst deinen Schoß hoch, schreist ein bisschen, sagst, ich sei zynisch, weinst sogar, tatsächlich, Tränen gibt´s.“ (Walser, 304)
Walser wendet gern ungewöhnliche Ausdrucksformen und formt neue Wörter.

z. B. Blondineblodine (Walser, 303), Klingelingeling (Walser, 318), adeumquilaetificatjuventumtemmeam (Walser, 318)


Im Buch mischen sich unvollständige Sätze ohne Subjekte oder ohne Prädikate mit ziemlich komplizierten Satzgefügen.
Sie war so was von entgegenstrebend. Nein. War sie nicht. Sie saß finster. Vorgebeugt. Ellbogen auf ihren Knien. Ich sagte, ich fühlte, dies was ein Augenblick, von dem mein weiteres Leben. Das sagte ich ihr auch. Ich war zu.“ (Walser, 298)
Dass das eine Beleidigung ist, dass Sie eine Frau behandeln, als wär´s sie ein Gegenstand, ein Ding, dass Sie sich das einfach herausnehmen, dass Sie einfach annehmen, das hat der Recht zu sein, wenn ich die an der Schulter berühre, dass Sie überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, eine Frau könnte sich verletzt fühlen dadurch.“ (Walser, 226)
Walser verzichtet auf einen klassischen literarischen Erzählstil. Er gebraucht auch viele englische Wörter und bildet Sätze, in denen deutsche und zugleich englische Ausdrücke nebeneinander stehen:
And the girls keep on squealing: Two–four-six-eight, who-do-we-appreciate. I pause briefly.

Lonely-Acres-Guy. Wearing my crram-colored Stetson hat, I urge my horse to a canter. Hört ihr ii-jetzt meinen Ton, liebe Hörerinnen und Hörer. This very sound of mine. Abends. Wenn sie aus den Vorstädten kommen, uh, uh.“ (Walser, 318-319)
Aber wer in zwei Minuten noch´n Textil an sich hat, auch du, Elskling, gut, very good, you show a lot of promise, Kunstück, bei dieser bleihaltigen Luft hier. I was right about you all along, you see my Luger, about an inch from your temple, and now the Luger nose massages your temple slightly.” (Walser, 328)
Der Literat hat keine Angst, skrupellos zu schreiben und den Leser mit seinen Aussagen zu schockieren. Der Text ist voll von offenen sexuellen und provozierenden Äuβerungen.
Mein Gott, Entschuldigung, ist das Ihr Glas, wie kann mir nur so was passieren, bitte, entschuldigen Sie, wenn Sie wollen, geh´ ich jetzt aufs Klo und bring´mich um, oder genügt Ihnen kastrieren.“ (Walser, 327)
Von Kopf bis Fuß ein Bluterguß. Ich musste ihm in eine heiβe Pfanne onanieren, er wollte mal sehen, ob sich das Backen lässt in etwas Öl, er hatte so was wie Rührei ohne Eigelb erwartet.“ (Walser, 328)
Kinder benehmen sich auf Beerdigungen noch viel blöder. Obwohl Kinder richtige Genies sind im Nichtsfalschmachenkönnen, auf Beerdigungen sind sie ganz schlecht. Da schlag´ ich jedes Kind.“ (Walser, 339)
Wiederholung von Sätzen, Satzteilen und Wörtern tritt im Buch sehr häufig auf.
„…du hörst nicht, du haust, du hast überhaupt keinen Kontakt mit mir, du bist scheu […], du glaubst, du triffst nur diese eine Stelle, du täuschst dich, du hast eine so sichere Hand, du schlägst, das ist kaum zu glauben, wie gut du schlägst, du kannst dich sehen lassen […] Ich setze mich also in den Zug und fahre nach Haus. Ich besteige also den Zug. Ich frage also den nächsten Beamten. Ich renne also mit wehenden Mantelschößen den Bahnsteig entlang. Ich schleppe also mein Gepäck […] “ (Walser, 338)
Für die Fiction wurde Walser häufig kritisiert, viele Autoren betrachteten das Buch als Beweis für sine subjektive Schreibkrise. Wolfgang Werth verstand Fiction als Ausdruck „Walserscher Resignation“. Heinrich Vormweg behauptete, „dass Walser vorgebe, eine progressive und avantgardistische Prosa geschrieben zu haben, obwohl es sich doch nur um die schriftliche Überzeugunststat eines psychologischen Falls handele“ (Arnold 1983, 61)

Bei diesen Interpretationen wurde aber nicht betrachtet, dass Walser 39 durch diese Schreibweise wahrscheinlich einen Reflex auf die Situation des Schriftstellers in der spätkapitalistischen Gesellschaft ausdrücken wollte. (vgl. Ebd. 61)




5.3. GALLISTL’SCHE KRANKHEIT
Unter Anamnese verstehen wir das – wirkliche oder vermeintliche- Wissen des Kranken von seiner Krankheit und ihrer Entstehung. […] Der Begriff der Anamnese aber, so wie er heute sich in der medizinischen Literatur eingebürgert hat, bezieht sich auf Vergangenes und Gegenwärtiges. Es handelt sich um einen Eigenbericht des Kranken über seine Krankheit.“
Mit diesen Sätzen beginnt das Vorwort des Buches, das in vier Kapitel gegliedert ist. Im Roman schildert der Autor persönliche Krise des Protagonisten und beschreibt die Ursache von der Krankheit, darunter die Hauptfigur leidet. Diese Krankheitsgeschichte handelt von den sozialen Bedingungen des Lebens eines Menschen, der über seine eigene Existenz verzweifelt und nach Genesungsmöglichkeiten sucht.
Im Roman spricht Gallistl von sich selbst und seiner Unfähigkeit zu leben. Gallistl gibt sich Rechenschaft über seine Vergangenheit und seine gegenwärtige Lage, um Klarheit über sich selbst zu gewinnen und aus den Lebensverhältnissen herauszukommen, die ihn krank machten. In den ersten drei Kapiteln schildert der Erzähler Gallistl seine gesundheitlichen Probleme. Der Leser erfährt, dass Gallistl keine Lust zu leben und zu arbeiten hat. Er sieht mit allem unzufrieden und erschöpft zu sein. Nichts macht ihm Spass. Es selbst hält sich für einen Invaliden.
Ich darf mich nur nicht bewegen. Zum Glück fehlt mir dazu die Lust. Ich bin überfordert, das ist klar. Ich war immer überfordert. In der Schule musste ich mit ungeheuerer Kaltblütigkeit operieren, um weder meine Mitschüler noch die Lehrer merken zu lassen, dass ich nicht das leistete, was ich zu leisten vorgab…“ (Walser, 345)
Es ist nicht Kopfweh. Es ist, wie wenn man liebt und die Person ist nicht mehr zu haben. Du kriegst sie nicht mehr. Es ist ein Schmerz. Das ist zuviel gesagt. Es ist eben kein Schmerz. Aber auch keine Schmerzlosigkeit. Aber man glaubt nicht, dass man das aushält. Aber man weiβ, dass man es aushält. Aber man weiβ nicht, wie lang noch.“ (Walser, 346)
Ich arbeite nicht mehr. Nichts mehr. […]Mich interessiert nichts.“ (Walser, 349)

Der Leser wird über seine Freunde und ihre seltsamen Beziehungen informiert. Walser präsentiert die Freunde auf eine ungewöhnliche Weise. Wenn der Autor Gallistl’sche Freunde und ihre Berufe aufzählt, benutzt er nur Anfangsbuchstaben: A. ist Architekt, B. ist Bankkaufmann, C. ist Chemiker, D. ist Dichter, E. ist Englischhornbläser, F. macht Fernsehen und G. ist Gallistl selbst. Gallistl ist der älteste von ihnen (35), das jüngste Mitglied der Gruppe ist 29. Walser macht den Leser mit dem Familienstand von jedem der Gruppe bekannt. Einige sind verheiratet und haben Kinder und einer von ihnen ist geschieden. Der Autor spielt ständig mit den Anfangsbuchstaben, was einen komischen Effekt bringt. Der Perzipient z. B. erfährt, dass E. zum Englischhornbläser nach dem Wunsch seiner Vaters wurde aber will Fuβballtrainer werden. Er gilt als der Sparsamste und der Fröhlichste der Gruppe. B. ist geschieden und kam in dem Kreis durch F., dem er Gedichte in der Vergangenheit schickte. C schlägt jeden von der Gruppe mit seinen Horrorgeschichten aus der Chemie. D. hat einen Obstgarten, wo er im Juli gern unter einen Kirschbaum onaniert usw.


Es handelt sich nicht um eine typische Freundschaft zwischen den Freunden, im Roman sind die Freunde auf eine bestimmte Weise voneinander abhängig. Walser zeigt die Abhängigkeit folgenderweise:
B. ist von A. mehr abhängig als A. von B. C. ist von B. mehr abhängig als B. von C. D. ist von C. mehr abhängig als C. von D. E. ist von D. mehr abhängig als D. von E. F. ist von E. mehr abhängig als E. von F. Ich bin von F. mehr abhängig als F. von mir. Ich bin aber wahrscheinlich auch von E., D., C.,B., und A., mehr abhängig als sie von mir.“ (Walser, 354)
Nicht nur die Abhängigkeit, sondern auch eine seltsame Serie von Stillhalte-Abkommen und Feindseligkeit der Mitglieder prägen die Beziehungen. Es ist wie ein Wettbewerb, in dem alle Teilnehmer den anderen besiegen wollen. Alle Mitglieder der Gruppe sind Individualisten. Man kann sehen, dass Gallistl im Kreis nicht sehr zufrieden ist und oft überlegt, die Gruppe zu verlassen. Er selbst gibt an, dass der einzige Grund für die Freundschaft mit diesen Leuten dieselbe Stadt Wiesbaden ist, wo alle leben. Gallistl sagt, dass er vor allem für sich selbst interessiert ist und dass er anders als seine Freunde sein will. Beim Gallistl steigen der Hass und das Interesse, nicht mehr als Schauspieler aufzutreten. Er sieht, dass seine Freunde ihn durch Lockungen und Drohungen für sich zurückgewinnen wollen.

Die „Ich-Spaltung Technik“ benutzt Walser auch im Buch Gallistl’sche Krankheit. Diese „Entfremdung“ ist in vielen Sätzen zu bemerken:


Ich bin Josef Georg Gallistl. Ich wäre gern Josef Georg Gallistl. Ich arbeite, um das Geld zu verdienen, das ich brauche, um Josef Georg Gallistl zu sein. Aber dadurch, dass ich soviel arbeiten muss, komme ich nie dazu, Josef Georg Gallistl zu sein. Bis jetzt bin ich immer nur der, der für Josef Georg Gallistl, den es nicht gibt, arbeitet. Ich bin also nur eine Hoffnung.“ (Walser, 354)
Im zweiten Teil des Romans findet Gallistl neue Freunde: Vinzenz Vetter, Wilfried Weiβflog, Urs Ulmer und Pankraz Pudenz. Sie alle haben etwas für die Linke übrig, für Mao oder die DDR, sie sind linke Intellektuelle und mit der sozialen Situation unzufrieden. Besonders Pudenz beeinflusst Gallistl sehr. Sie treffen regelmäβig zusammen und diskutieren über politische Lage in der DDR. Pudenz ist ein Kommunist und versucht Gallistl von seinen Ideen zu überzeugen. Pudenz ist starker Vertreter von Lenin und bringt dem Gallistl Bücher, die über die marxistische Partei behandeln. Die Freunde diskutieren oft über kapitalistische Gesellschaft und preisen sozialistisches System. Pudenz will Gallistl für die Partei bereden und er ist letzlich erfolgreich.
Der Kapitalismus kann die Menschen brauchen, wie sie sind. Es liegt ihm sogar daran, dass sie bleiben, wie sie sind. Der Kapitalismus kommt der Unentwickeltheit des Menschen entgegen, er will ihn atavistisch, streitsüchtig, kanibalisch, egoistisch. Das macht den Kapitalismus erfolgreich, er wendet sich an die Instinkte von früher. Die Hoffnung, dass man immer einen Schwächeren findet, an dem man sich ausleben kann, wird erfüllt. Der Sozialismus braucht den entwickelteren Menschen. Er verlangt ihn nicht nur, er ermöglicht ihn auch. Die Entwicklung des Menschen zuungunsten der Expansion, der Zuwachsrate, des Wettbewerbs.“ (Walser, 417-418)
Auch ich werde in die Partei eintreten, weil ich ein, wenn auch nicht herrschsüchtiger Egoist, so doch ein Egoist bin und ein berechnender Feigling, und weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Wichtig ist, welchen Einfluss eine Partei auf herrschsüchtige Egoisten, berechnende Feiglinge und Leute mit schlechtem Gewissen hat, was sie aus ihnen macht.“ (Walser, 426)

Die Bewegungslosigkeit, der Stillstand und das Liegen im Bett ist im Roman Gallistl’sche Krankheit das Leidensthema. Gallistl friert, er ist von Kopfschmerzen und Unlustgefühlen geplagt. Nur allmählich und unter großen Anstrengungen und Enttäuschungen erkennt er aus seinen Erfahrungen, dass es noch Schlimmeres ist: dass nicht in ihm, sondern in der gesellschaftlichen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland die Ursache für sein unvollständiges Leben zu suchen ist. Erst die letzte Kapitel gibt dem Leser eine Hoffnung, dass Gallistl mit seinen neuen Freunde eine positive Hoffnung hat, dass er seine Krise überwindet. Das ganze Buch ist durch Walsers persönlichen Stil gekennzeichnet. Vor allem das Spiel mit den Anfangstbuchstaben und die „Ich-Spatung Technik“ machen den Text sehr originell und unterschiedlich von der üblichen Prosa.



6. Zusammenfassung
Die folgende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, experimentelle Versuche in der Literatur nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zu vergleichen, Ähnlichkeiten in der literarischen Schaffung zu finden und Unterschiede in den Techniken und Methoden durchzuforschen. Ich beschäftige mich nicht nur mit der unkonventionellen Produktion der literarischen Gruppierungen, sondern auch mit den experimentellen Verfahrensweisen der einzelnen Autoren.
Für die experimentelle Produktion ist typisch, dass die Autoren ausprobieren, was vorher nie gesagt oder gezeigt wurde. Sie spielen mit der Form und berücksichtigen nicht die Typographie des Wortes. Die Künstler dekonstruieren die Sätzen und Wörte zur Hervorhebung einzelner Buchstaben und Laute. Die Autoren vertauschen und zerlegen die Wörter, lassen die Buchstaben und Silben aus, vedrehen Vokale und Konsonanten und oftmals kommt es zur totalen Einstürzung des Satzbaus. Sie untersuchen und beobachten, was passiert, wenn sie die Sprachregeln umgehen.
Erstens konzentriere ich mich auf die dadaistische Produktion, die als Reaktion auf den Zustand nach dem Ersten Weltkrieg entsteht. In der dadaistischen Phase kommt es zu einer unendlichen Freiheit der künstlerischen Produktion. Die Dadaisten benutzen alle möglichen Techniken, um die Verneinung der traditionellen Literatur auszudrücken. Sie fordern die Umwertung von geltenden Normen und Regeln und schockieren die Gesellschaft mit ihrer literarischen Gestaltung. Dadaistische Tätigkeiten sind vor allem durch Collage, Montage, Simultan-, Laut- und Zufallsgedichte gekennzeichnet. Diese Richtung brach viele Tabus und beeinflusste zahlreiche literarische und künstlerische Richtungen. Man kann sagen, dass heute der Dadaismus den Höhepunkt der Moderne darstellt.
Weiter beschäftige ich mich mit der Konkreten Poesie, die teilweise auch vom Dadaismus beeinflusst wurde und die nach dem Zweiten Weltkrieg hervorging. Sie stellt eine internationale poetische Strömung dar. Diese Dichtungsart bietet den Autoren unendliche Möglichkeiten, mit den Texten zu spielen und neue Anordnungen zu schaffen. Was die Konkrete Poesie betrifft, die Hauptfunktion der Sprache ist nicht mehr die Wirklichkeit zu beschreiben, sondern die Sprache selbst wird zum Zweck eines Gedichtes. Die Autoren verstehen die Sprache als Experimentierfeld und zerlegen das Sprachmaterial oft bis in die kleinsten Elemente. Die Künstler kombinieren die sprachliche Elemente nach dem optischen und akustischen Aspekt und dieses Verfahren führt zu neuen Schreib- und Lesemöglichkeiten. Die meistgebrauchten Mittel der Autoren der Konkreten Poesie sind Ideogramme, Piktogramme, Konstellationen, Laut- und Dialektgedichte und Audiovisuelle Gedichte.
Im nächsten Schritt untersuche ich ausführlich literarische Schaffung von Ernst Jandl, der sich heute zu den meistgelesenen und meistgehörten Autoren der experimentellen Literatur im deutsprachigen Raum zählt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht in Österreich avantgardistische Formation Wiener Gruppe. Auch diese Gruppierung wird vom Dadaismus stark beeinflusst. Die Konkrete Poesie, Montagen, Laut- und Dialektgedichten gehörten zum Hauptinteresse des Zirkels. Die Mitglieder des Kreises suchen nach den neuen Schreibweisen und kritisieren die Erstarrung des literarischen Lebens. Sie wollen die dadaistischen und surrealistischen Traditionen beleben.
Letztendlich analysiere ich zwei Werke von dem zeitgenössischen Schriftsteller Martin Walser. Es geht um Fiction und Gallistl’sche Krankheit. Bei diesen zwei Prosastücken möchte ich Walsers originelle Schreibweise, Assoziationsverfahren und die Darstellung des Bewusstseins präsentieren.
Ich habe festgestellt, dass die Mehrheit von den Autoren eine ablehnende Haltung gegenüber der traditionellen Kunst, Bürgerlichkeit und dem Krieg hatte. Das Experimentieren mit der Sprache stellte für sie die Möglichkeit, sich von der üblichen literarischen Produktion zu distanzieren und neue originelle Ausdrucksformen zu entdecken.





7. Resumé
Ve své diplomové práci jsem se zabývala experimentální tvorbou německy píšících autorů. Mým záměrem bylo zkoumání avantgardní literární činnosti, která se výrazněji objevuje na poli literatury již od konce první světové války a pokračuje až do současnosti. Snažila jsem se nastínit jazykové experimenty autorů a literárních skupin působících po první světové válce s neobvyklými metodami a postupy jednotlivců a formací po druhé světové válce. Kromě poezie prezentuji i představitele současné německé prózy Martina Walsera, jehož romány Fiction a Gallistl’sche Krankheit představují ojedinělý vyjadřovací styl autora.
Na základě zkoumání jsem došla k závěru, že jednotlivé literární a umělecké spolky se vzájemně ovlivňovaly a přejímaly obdobné postupy. Společným znakem většiny autorů i literárních uskupení byla snaha vyjádřit nespokojenost s tradiční strnulou literární tvorbou a snaha o odstranění literárních konvencí. Jazykové hrátky často představují pro autory způsob, jakým revoltují proti striktně daným literárním pravidlům, proti společnosti jako celku nebo jimi vyjadřují nespokojenost s výsledky války. Společnost je těmito „výtvory“ šokována. Co se týče uměleckého směru Dadaismu, je možné konstatovat, že výrazně ovlivnil pozdější tvorbu Vídeňské skupiny a přispěl k rozvoji Konkrétní Poezie. Jak Dadaismus, tak Vídeňská skupina, Konkrétní poezie i tvůrčí činnost Martina Walsera výrazně přispěly k rozvoji německy psané experimentální literatury. Mezi nejvýznamnější „objevy“ se řadí zejména koláže, montáže, simultánní, akustické, vizuální či audiovizuální básně, které v současné době patří nejen v literární oblasti k běžně používaným výrazovým prostředkům

8. Literaturverzeichnis
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WALSER, M. Werke in zwölf Bänden: Gallistl’sche Krankheit. Frankfurt am Main: Suhrkampf Verlag. 1997. Erste Auflage, Band 8.
WILLBERG, Han-Joachim. Deutsche Gegenwartslyrik: Eine poetologische Einführung. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH&Co.,1992. 142 s. ISBN 3-15-015010-8.
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ŽMEGAČ, V. Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main: Verlag Anton Hain, 1991. Band II. 535 s. Dritte Auflage. ISBN 3-445-03063-4.
Audiomittel:

JANDL, E.: Eile mit Feile: Gesprochen von Ernst Jandl. Stuttgart: Der HörVerlag. 1996. ISBN 3-89584-006-8. 70 Minuten


ARTMANN, H.C.: H.C. Artmann liest ARTMANN. Stuttgart: Der HörVerlag. 1996. ISBN 3-89584-202-8. 85 Minuten
Internetquellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Avantgarde

http://de.wikipedia.org/wiki/Collage [zit. 2007-02-17]

http://de.wikipedia.widearea.org/wiki/Performance

http://www.jolifanto.de/karawane/karawane.htm

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http://www.ubu.com/historical/schwitters/ursonate.html > [zitiert 28-03-08]

http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_D%C3%B6hl> [zit. 01-04-08] http://www.coldewey.org/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,37/Itemid,1/ ->[zit. 04-04-08]

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http//www.amazon.de/Laut-Luise-Ernst-Jandl/dp/3150098238

http://www.uni-graz.at/~hiebel/jandlfertig.doc

http://science.kairo.at/lang/artmann.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Gadji_beri_bimba

http://science.kairo.at/lang/artmann.html

9. Anlagen
Anlage 1: Lautgedicht von Gerhard Rühm (ohne Titel)

(Quelle: http://www.husi.priv.at/Ton/ein%lautgedicht.htm)


Anlage 2: Kurt Schwitters: Anna Blume Umschlag

(Quelle: http://images.google.cz/images?q=kurt+schwitters&hl=cs&lr=&um=1&ie=UTF-8&sa=X&oi=images&ct=title


Anlage 3: Plakat zur Dada Soiree

(Quelle: http://images.google.cz/images?q=kurt+schwitters&hl=cs&lr=&um=1&ie=UTF-8&sa=X&oi=images&ct=title


Anlage 4: Kurt Schwitters und sein Merzbild

(Quelle: http://images.google.cz/images?q=kurt+schwitters&hl=cs&lr=&um=1&ie=UTF-8&sa=X&oi=images&ct=title)


Anlage 5: Kurt Schwitters und sein Merzbild

(Quelle: http://images.google.cz/images?q=kurt+schwitters&hl=cs&lr=&um=1&ie=UTF-8&sa=X&oi=images&ct=title)


Anlage 6: Dadaistische Plakate zu den Vorträgen und Ausstellungen

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dadaismus)


Anlage 7: Ernst Jandl: Gedicht aus der Sektion klare gerührt (laut und luise)

(Quelle: Jandl, 1976, 142-143)


Anlage 8: Ernst Jandl: Gedicht aus der Sektion autors stimme (laut und luise)

(Quelle: Jandl, 1976, 54-55)


Anlage 9: Beispiele von Ideogrammen, Piktogrammen und Konstellationen

(Quelle: Willberg, 1992, 90-91)


Anlage 10: Dadaistisches Plakat zum Vortragsabend im Berlin

(Quelle: Huelsenbeck, 1984, 30)

Anlage 11: Kurt Schwitters Ursonate

(Quelle: Nündel, 1981, 84)




1 Die Bezeichnung Avantgarde beschränkt sich nicht nur auf Kunst, sondern auch auf Politik. Es geht um eine Bewegung zumeist des 20.Jahrhunderts, die sich stark an die Idee des Fortschritts orientiert und die durch Radikalität markiert ist. (vgl. URL: < http://de.wikipedia.org/wiki/Avantgarde>)

2 URL: < http://de.wikipedia.org/wiki/Collage [zit. 2007-02-17]

3 Das Gedicht wird später analysiert.

4 vgl. URL: http://de.wikipedia.widearea.org/wiki/Performance

5 Sein Erinnerungsbuch heiβt Die Flucht aus der Zeit (1927) und gilt als bedeutendes kulturgeschichtliches Zeugnis der dadaistischen Tätigkeiten. (vgl. Žmegač, 1991, 487)

6 vgl. URL: http://www.jolifanto.de/karawane/karawane.htm


7 Tristan Tzara war seinPseudonym. Sein Name war Samuel Rosenstock.

8 In Paris wurden dadaistische Gedanken zum Ausgangspunkt für den Surrealismus.

9 Die erste Nummer der Zeitschrift erschien am 1. Juni 1916. (vgl. Huelsenbeck, 1984, 23)

10 Im Jahre 1919 erschienen die ersten Schriften, die über Dadaismus handelten: «En avant Dada«, dann in rascher Folge «Dada siegt«, «Deutschland muss untergehen« und «Dada-Almanach« (vgl. Ebd. 24)

11 Er interessierte sich nicht für Politik. Deshalb lehnte er die politischen Aktivitäten des Berliner Dadaismus ab. Er stand in der Auseinandersetzung mit Richard Huelsenbeck. (vgl. Best, O., Schmidt H., 1986, 20)

12 Im Juni 1920 erschien in Hannover ein großes Plakat im blauen Druck auf weißem Grund mit den

Zehn Geboten und dem Zusatz „Irret Euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.“ Acht Tage später tauchte daneben ein ähnliches, gleichgroßes Plakat mit folgendem Text Anna Blume auf. (Nündel, 1981, 37)



13 Am Ende kann der Leser den grammatischen falschen Schluss bemerken: Ich liebe Dir! Der Text

enthält viele paradoxe Fügungen, Verkehrungen und Verwirrungen. (vgl. Ebd. 39)



14 vgl. URL:< http:// www.uni-stuttgart.de/ndl1/schwitters3.htm [zitiert 2008-03-18]


15 URL:< http://www.ubu.com/historical/schwitters/ursonate.html [zitiert 28-03-08]

16 Hauptschöpfer von Sprechgedichten war Ernst Jandl.

17 Mit den Figurengedichten beschäftigte sich vor allem Claus Bremer. Synonym für Figurengedicht ist Kalligramm.

18 Die seriellen Texten wurden von Max Bens und Stuttgarter Gruppe ausführlich untersucht.

19 Auch das Gedicht Un Coupe de Dés von Stéphane Mallarmé, Calligrammes von Guillaume Appolinaires und das Technische Manifest der futuristischen Literatur von Filippo Tommaso Marinetti trugen zur Entstehung und Entwicklung der Konkreten Poesie bei.

20 Die Hauptvertreter der Gruppe waren Augusto und Haroldo de Campos, Décio Pignatari und Ronaldo Azeredo. (vgl. Schumann, 1995, 435)

21 Wiener Gruppe wird später in der Arbeit ausführlich beschreiben.

22 Für Gomringer bedeuten seine Wort-Konstellationen die Spiele mit der Sprache, in denen Autor und Leser wie Spielgeber und Mitspieler auftreten. (vgl. Willberg, 1994, 84-85)

23 URL< http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_D%C3%B6hl> [zit. 01-04-08]

24 URL:< www.coldewey.org/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,37/Itemid,1/ -> [zit. 04-04-08]


25 Das Wort «Wind« kann man in mehreren Richtungen lesen, auch quer in der Zeile.


26 Die Wortkonstellation wohin-wohin kann dem Leser den ewigen Wunsch eines Menschen evozieren. Die Person ist mit einem erreichten Ziel nicht zufrieden und sie wendet immer wieder einem neuen Wunsch zu. (vgl. Willberg, 1992, 99)

27 Unter dem Begriff Permutation versteht man die Veränderung der Anordnung einer Menge durch

Vertauschen ihrer Elemente dar. (vgl URL:< http://www.wikipedia.org/wiki/Permutation)



28 „Der besondere Reiz dieses Textes liegt in der Verfremdung der Wiener Mundart, die dem Leser erst

in der letzten, nach rechts unten abgesetzten Zeile bewußt wird. Der mehrfachen Aufforderung, doch zu



lachen, wird der Leser daher erst am Schluß nachkommen können“ (Willberg,1992, 100)


29 bix = Büchse, fix= Kruzifix

30 Sie stellen ein wichtiges Markenzeichen der Computergenerierten Poesie dar.

31 URL: [zitiert 02-04-08]


32 vgl. URL:< http://www.amazon.de/Laut-Luise-Ernst-Jandl/dp/3150098238>

33 vgl. Ebd.

34 vgl. URL: <http://www.uni-graz.at/~hiebel/jandlfertig.doc>

35 vgl. URL: <http://www.uni-graz.at/~hiebel/jandlfertig.doc>

36 vgl. Ebd.

37 vgl. URL:< http://www.uni-graz.at/~hiebel/jandlfertig.doc>

38 vgl. http://www.uni-graz.at/~hiebel/jandlfertig.doc


39 Walsers Schreibstil ähnelt dem Stil von James Joyce in seinem Roman Ulysses. Joyce beschreibt die Bewusstseinvielfalt des Dubliner Kleinbürgers Leopold Bloom im Verlauf eines einzigen Tages. Bei Joyce kann der Leser eine fortlaufende Bewusstseinstrom-Darstellung bemerken, die von den Regelsystemen der Grammatik und der Interpunktion befreit ist: Gedankensplitter, fragmentierte Zitate, Wünsche, Phantasien, Triebimpulse, das assoziative Verbindung von akustischen, visuellen und
Gedächtnis-Reizen. (vgl. Barner, 1994, 455)


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